Metheny Mehldau - Quartet - Cover
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Metheny Mehldau Quartet


  • Label: Nonesuch/WEA
  • Laufzeit: 73 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der zweite Output „Quartet“ von Jazzgitarrist-Legende Pat Metheny und Klaviervirtuose Brad Mehldau entstand wie der Erste „Metheny/Mehldau“ – der erst vor einem knappen halben Jahr erschien – in der Woche im Dezember 2005, die Metheny selbst als einige der kreativ befriedigendsten Tage, die er als Musiker je erlebt habe, beschreibt. Wo das erste gemeinsame Album den beiden Hauptprotagonisten Metheny und Mehldau noch ausreichend Raum für einen intensiven Dialog zwischen beiden Harmonieinstrumenten ließ, steht auf „Quartet“ das Zusammenspiel mit der Rhythmusgruppe, bestehend aus Larry Grenadier (Bass) und Jeff Ballard (Drums), im Vordergrund.

Sowohl Metheny als auch Mehldau schrieben die Songs für „Quartet“, wobei Methenys Stücke überwiegen. Von Mehldau stammen „Fear And Trembling“, „Santa Cruz Slacker“ und „Secret Beach“, doch wirken seine Songs im Vergleich zu Methenys konturloser, sind weniger greifbar. Metheny gelingt die Symbiose zweier Solostimmen zuweilen besser als seinem sechszehn Jahre jüngeren Partner. Das ist eben die Schwierigkeit, wenn sich zwei Ausnahmekünstler das Rampenlicht teilen: Wie kann man beide Instrumente zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen? Indem man dem Anderen aus dem Weg geht?

Natürlich lassen sich beide Akteure Platz für ihre jeweiligen Soloeskapaden und gehen dann in den begleitenden Part über – brillant gelingt dieses vor allem bei „Don’t Wait“, einer sentimentalen Akkustik-Ballade, in der ein wunderbarer Harmoniefluss zwischen beiden Akteuren stattfindet. Doch scheint dieser Fluss bei Mehldaus Stücken, allen voran „Santa Cruz Slacker“, etwas ins Stocken zu geraten. Zu sperrig und herzlos wird hier musiziert. Als Zuhörer wird man von den beabsichtigten Disharmonien überfordert und der rote Faden geht etwas verloren. Gestaltet Mehldau einen Song stattdessen zugänglich, wie „Secret Beach“, wirkt er zu oberflächlich und seelenlos. Aber auch Methenys Stücke fallen nicht so dynamisch und malerisch wie gewohnt aus (mit Ausnahme des Openers „A Night Away“).

Die gesamte Platte hält sich etwas bedeckt, wohlmöglich um dem Anspruch als gleichgestelltes Quartett auftreten zu wollen nachkommen zu können. Doch auch wenn Grenadier und Ballard meist fleißig im Hintergrund agieren, tun sie dieses meist unauffällig und dezent. Auf „Don’t Wait“ legt die Rhythmusgruppe gezwungenermaßen eine Pause ein und bei „Long Before“ und „The Sound Of Water“ findet nur eine leichte Bassbegleitung statt. Bei den energievolleren Stücken kommt Bass und Schlagzeug natürlich eine größere Bedeutung zu, doch über eine unterstützende Rolle kommen sie nicht hinaus. Im Mittelpunkt stehen auch auf „Quartet“ ganz klar Metheny und Mehldau.

Das Material auf „Quartet“ ist insgesamt hörenswert, doch ist man von Metheny und Mehldau etwas mehr gewohnt. Es scheint als habe die vor Kreativität strotzende Woche im Dezember nicht ganz für zwei gleichwertige Alben ausgereicht. Und wie schon „Metheny/Mehldau“ wird auch „Quartet“ wieder kontrovers diskutiert werden, sind die neuen Songs denen des Vorgängers doch ähnlich, schließlich stammen ja alle aus einer Session. Eine Empfehlung fällt daher zu Gunsten des ersten gemeinsamen Werkes von Metheny und Mehldau aus.

Anspieltipps:

  • A Night Away
  • Don’t Wait
  • Towards The Light
  • En La Tierra Que No Olvida
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