Field Music - Tones Of Town - Cover
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Field Music Tones Of Town


  • Label: Cooperative/Rough Trade
  • Laufzeit: 32 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Album klingt wie ein Tagebuch der Popgeschichte, in dem sich die verschiedensten Stilrichtungen verewigen durften.

Musikalische Feldforschung. Das Bemerkenswerte an „Tones Of Town“ ist die Mixtur aus farbenreichen, ironischen und zum Teil auch lyrischen Texten, verdrehten und verschachtelten Melodien, gepaart mit dem Hang für nicht einfach zu entschlüsselnde Harmonien und einem bemerkenswerten Fingerspitzengefühl für verschiedenste und facettenreiche Instrumentierung. Man könnte die Fortführung des selbstbetitelten Debütalbums der Band aus Sunderland, auch als den Soundtrack einer von Hypes und Trends müde gewordenen, sich neu entdeckenden Indie-Pop-Bewegung bezeichnen.

Andrew Moore (Gesang, Tasten, Bass) und die Brüder Peter (Gitarre, Drums, Bass) und David Brewis (Drums, Gitarre, Bass) entdecken die Schönheit der bei vielen anderen schon in Vergessenheit geraten zu scheinende musikalische Ungebundenheit wieder. Die Vermeidung bestimmter musikalischer Klischees und einfacher Melodiefolgen, die unangemeldeten Rhythmuswendungen, sowie die originellen Arrangements der elf Songs auf „Tones Of Town“, führen zu einem Hörerlebnis fernab von Genreschemata und Chartkompatibilität.

Die musikalischen Einflüsse von Field Music reichen nach eigenen Angaben von Serge Gainsbourg, Thelonious Monk und den Talking Heads bis hin zu The Neptunes und Peter Gabriel. Dennoch klingen die drei Feldmusiker nicht wie eine Wiederverwertungsanlage der Pophistorie. Vielmehr gelingt es ihnen, ihren individuellen, improvisiert zu erscheinenden Stil im weit reichenden Musikuniversum zu etablieren.

Das jazzig angehauchte und mit abrupten Rhythmuswechseln versehene „Sit Tight“, das mit Pianos und Slide-Gitarre verzierte „A House Is Not A Home“ oder das von akustischen Elementen getragene „Working To Work“. Die wahre Pracht dieser Songs entfaltet sich erst nach mehrmaligem Hören. Plötzlich öffnen sich melodische Türen, die davor noch fest verschlossen schienen. „In Context“ überragt durch das perfekte Zusammenspiel von klarer Stimme, hellem Glockenspiel und virtuos eingesetzten Streichern, und gehört zusammen mit dem butterweichen „A Gap Has Appeared“ und dem in seinem Refrain an „Queen“ Chöre erinnernde „Closer At Hand“ zu den Höhepunkten dieser Platte.

Das Album klingt wie ein Tagebuch der Popgeschichte, in dem sich die verschiedensten Stilrichtungen verewigen durften. Das Ergebnis sind elf strahlende, nicht gerade einfach zu beschreibende, aber beim Hören in aller Ausgiebigkeit zu genießende Popperlen. Wahrscheinlich ist „Tones Of Town“ aufgrund des Wegfalls von stereotypischen Melodienwiedererkennungsmustern nicht jedermanns Sache. Aber wenn man sich die Zeit nimmt dieses musikalische Feld zu begehen und nach den Formeln dieser zauberhaften Songs zu forschen, wird man für diesen Aufwand gebührend belohnt werden.

Anspieltipps:

  • In Context
  • A Gap Has Appeared
  • Closer At Hand
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