Brett Anderson - Brett Anderson - Cover
Große Ansicht

Brett Anderson Brett Anderson


  • Label: V2/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Als schillernde BritPop-Ikone konnte Brett Anderson mit seinem temporären Songwriting-Partner Bernard Butler sowie Simon Gilbert und Richard Oakes als Suede furiose Erfolge feiern und bereits von dem Debüt „Suede“ (1993) allein in der ersten Woche nach Veröffentlichung 100.000 Exemplare verkaufen. Die fünf Alben als Suede verbrachten in zehn Jahren insgesamt 200 Wochen in den englischen Charts und vermochten es stets, eine treue Fanbasis an sich zu binden. Obwohl in Deutschland der ganz große Erfolg ausblieb, verursachte auch hier die Wiedervereinigung der beiden Suede-Köpfe Anderson/Butler als The Tears mit dem bisher einzigen Album „Here Come The Tears“ (2005) ein gehöriges Echo bei Fans und Presse, dem eine ähnliche Stärke wie den ersten beiden Suede-Werken bescheinigt wurde. Trotzdem arbeitete Brett Anderson parallel an seinem selbstbetitelten Soloalbum, das wie die drei Suede-Longplayer ohne Bernard Butler wieder einmal deutlich macht, wie sehr die (früheren?) Streithähne musikalisch zusammengehören.

Um es vorwegzunehmen: „Brett Anderson“ ist ein nur durchschnittliches Album, das in seiner bodenständigen Zurückhaltung die markante Extrovertiertheit des Briten schmerzlich vermissen lässt. Stattdessen erklingt ein schlichtes, vom Meister nahezu allein eingespieltes Singer/Songwriter-Album, dem trotz seiner zurückgezogenen Ader die vollmundigen Keyboards und Streicher-Parts nicht richtig stehen wollen. „Love Is Dead“ behauptet sich dennoch als toller Opener, dessen hymnische, von Geigen und prägnanten Gitarren-Einsätzen dominierte Stimmung in Verbindung mit Andersons immer noch gefühlvoll klagenden Vocals dem Hörer das Herz öffnet und ihn sanft in die BritPop-Welle der Neunziger tauchen lässt. Doch was beim Opener noch gelang, wirkt bei „One Lazy Morning“ konstruiert und vor allem durch die leidenschaftslosen Chor-Gesänge arg gelähmt.

Dominant röhren die Gitarren in „Dust And Rain“ und lassen eine rockige Prägnanz aufkommen, was sich in einer lockeren, losgelösten Atmosphäre widerspiegelt und auf diesem, hier und da an aufgesetzten Nettigkeiten kränkelnden Album einer notwendigen Befreiung gleichkommt. Im weiteren Verlauf ist es dann auch diese durch allzu schöngeistige Streicher und seltsame Harmoniegesänge hervorgerufene Nettigkeit, die zum Beispiel bei „To The Winter“ und „The Infinite Kiss“ mehr an plastikbezogenen Schlager als an würdevollen Indie-Pop (oder gar BritPop?) denken lässt. Es fehlt „Brett Anderson“ deutlich an dem sexy Hüftschwung, den die Musik von Suede so unwiderstehlich gemacht hat. So schunkelt man sich mit vergangenheitsbezogenen Erinnerungen in die graue Nacht, die natürlich auch ihre guten Seiten hat, doch im Großen und Ganzen hinter den (sicherlich hohen) Erwartungen zurückbleibt. Schade um den einst so charismatischen Sänger, doch vielleicht ist es für ein weiteres Album mit Bernard Butler noch nicht zu spät?! Zu hoffen wäre es jedenfalls.

Anspieltipps:

  • Love Is Dead
  • Dust And Rain
  • Ebony
Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
Diskutiere über „Brett Anderson“
comments powered by Disqus