Maximo Park - Our Earthly Pleasures - Cover
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Maximo Park Our Earthly Pleasures


  • Label: Warp/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

In Zusammenarbeit mit dem neuen Produzenten Gil Norton entwickelte die Band einen im Vergleich zum Debüt viel straighteren und umfangreicheren Sound.

Maximo Park sind einzigartig. Maximo Park sind avantgardistisch. Maximo Park sind gekommen, um zu bleiben. Das fängt bei ihrer Musik an, geht über Paul Smiths Texte und endet bei ihren Cover-Artworks. Sie sind stets bemüht, nicht nur oberflächlich eine gute Band zu sein, sie wollen mehr als nur das. „Our Earthly Pleasures“ heißt das Album, das ihren viel gelobten Erstling „A Certain Trigger“ beerben soll. Und da Paul Smith nichts dem Zufall überlässt, überrascht es nicht weiter, dass es sogar für den Titel des Albums eine Begründung gibt. Paul Smith: „Diese Momente in denen du kurz davor stehst, eine geliebte Person zu betrügen oder etwas anderes zu tun, von dem du weißt, dass du es bereuen wirst. Es sind diese existentiellen Momente, die ich so faszinierend am Leben finde und die unsere neuen Songs definieren. Ich möchte die Menschen fesseln, deshalb singe ich über Dinge, die alle Menschen begehren. Darum heißt die Platte ‚Our Earthly Pleasures’.“

In Zusammenarbeit mit dem neuen Produzenten Gil Norton (u.a. Foo Fighters) entwickelte die Band einen im Vergleich zum Debüt viel straighteren und umfangreicheren Sound, den sie auch perfekt in die Tat umsetzt. „Girls Who Play Guitars“ ist der brachiale Opener, der das Konzept des Albums, wie schon „Signal And Sign“ auf „A Certain Trigger“, auf den Punkt bringt und erklärt. Paul Smith singt über Mädels, die sich gehen lassen und wie man von diesen als Freund links liegen gelassen wird: „When on lie my bed and you label me your friend / Don’t You Know how much that hurts?“

„Our Velocity“ strahlte bereits als Single und zerstört schon zu diesem frühen Zeitpunkt jegliche Zweifel, dass sich das Album in die Riege der gefloppten Zweitlinge einreiht. Mit „Books From Boxes“ schreibt Smith den Song, der schon 20 Jahre früher von der Band hätte kommen können, deren Namen er trägt. Mit angenehm dezenter Melancholie erzählt er uns eine Liebesgeschichte und trägt den Track mit seiner unvergleichlichen Stimme. „You have to leave / I appreciate that“, singt Paul – blanke Ironie. Kurz darauf relativiert er: “The pounding rain continued its bleak fall / And we decided just to write after all.”

„What makes a grown man cry?” Diese Frage wirft „Karaoke Plays” auf und liefert postwendend die Antwort: „Karaoke plays and someone gets run down.“ Und genau hier liegt die größte Stärke der Band. Smith versteht es Themen in einen ganz und gar nicht offensichtlichen Kontext einzubinden und verleiht seinen Texten so eine Tiefgründigkeit, nach der man bei vielen Bands vergeblich sucht. Man könnte seine Texte auch im Englischunterricht lehren. Dieser Song handelt von dem Tod eines Menschen, irgendwo, wo es niemand bemerkt. An anderer Stelle vergnügen sich Menschen in einer Karaoke Bar und bekommen nichts mit. „Oh I waited up for you, but you didn’t come back home / I waited up for you, couldn’t you come back home?”. Einer musste es ja bemerken.

In einem von Maximo Park bisher ungewohnten Songkleid präsentiert sich „Your Urge”, das während der gesamten Länge von einem an Arcade Fire erinnernden Piano und einem sehr groovigen Bass getragen wird. Etwas härter geht die Band bei „The Unshockable“ zu Werke, bevor sie mit „By The Monument“ ihre eingängigste Pop-Hymne fabriziert: der Song marschiert im für den BritPop typischen Off-Beat durch wunderschöne Gesangsmelodien und einen catchy Refrain. Auch hier kommt das Piano zu gelegentlichen Einsätzen und ist das perfekte Bindeglied zwischen Musik und Gesang. Den Song haben die Jungs übrigens schon im letzten Sommer live gespielt. Auch „Nosebleed“ gab es für den aufmerksamen Fan schon sehr früh zu hören: auf der DVD „Found On Film“ jammt die Band den Song in einer Version, die der des Albums sehr nahe kommt.

Sehnsucht ist in „Sandblastet And Set Free“ das Leitmotiv. Ein Track, der durch die Erfahrungen der fast zwei Jahre dauernden Tour inspiriert zu sein scheint: „We’re moving targets / You can’t set us up.“ – die Streicher und die eher gemächliche Instrumentalisierung sind die Ruhe vor dem großen Sturm.

Denn „Parisian Skies“ vereint alle Stärken, die Maximo Park ausmachen in einem Song. Paul Smith lässt sich nicht lange bitten und läuft wie seine Band zur absoluten Höchstform auf – als Sänger und als Schreiber, denn „Parisian Skies“ hat mit die besten Lyrics, die er bisher verfasst hat. Der Song hat leise und laute Passagen, harte und eher fragile. Alles was Maximo Park so perfekt, so einzigartig macht wird hier auf den Punkt gebracht, bevor die Worte „I love the tiny veins on your back / They remind me of the way porcelain cracks“ ein vollkommenes Popalbum beschließen.

Anspieltipps:

  • Girls Who Play Guitars
  • Our Velocity
  • Books From Boxes
  • Karaoke Plays
  • By The Monument
  • Parisian Skies
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