A Perfect Circle - Mer De Noms - Cover
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A Perfect Circle Mer De Noms


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Gitarrenrock, wie die Seele ihn begehrt. Vertrackt und doch findet die Musik sofort den Weg in Ohr, Kopf und Herz.

A Perfect Circle? Ist das nicht das Nebenprojekt von Tool-Sänger Maynard Keenan? Diese Frage ging oft durch den Raum, wenn man vom Erstling der Band sprach. „Mer De Noms“ hieß dieser und wollte sich ganz bestimmt nicht damit begnügen ein Tool-Abklatsch zu sein. Keenan beteuerte natürlich sofort, dass die Band etwas vollkommen Eigenständiges und Vollwertiges sei. Daraufhin sollte erst einmal abgewartet werden.

Dass der eigentliche Kopf dieser neuen Rockformation Gitarrist Billy Howerdel ist, hat niemand so wirklich wahrgenommen. Verübeln kann man es auf den ersten Eindruck niemand, da Maynards Stimme einfach immer wieder an Tool erinnert. Zu sehr ist diese Stimme in die Köpfe und Herzen der Fans eingebrannt. Wer natürlich A Perfect Circle völlig neu entdeckt, wird unbekümmert feststellen, wie gut sich der Tool-Sänger an den eigentlichen Hauptakteur dieser Band anpasst: die Gitarre. Ja, richtig gehört. A Perfect Circle, ist wieder eine Rockband, bei der die Gitarre jedem Song ganz klar ihren Stempel aufdrückt. Um das Vergnügen abzurunden, holte man noch den zweiten Gitarristen Troy van Leeuwen, Drummer Josh Freese und Bassistin Paz Lenchantin ins Boot. Schon steht der Geschichte einer sogenannten Superband nichts mehr im Weg.

Mit „The Hollow“ beginnt das Debüt dieser Supergroup mehr als versprechend. Eingängige Melodien, Keenans Gesang und die markanten Gitarren, welche den Hörer mit hymnischen Ohrwurmriffs fesseln. Dieser Song spielt ganz klar in der ersten Liga mit. „Magdalena“ kann zwar mit dem Opener nicht mithalten, aber das ist in diesem Fall gar nicht so schlimm. Eine solide psychedelische Rocknummer beglückt den Hörer. Das ein oder andere Element mag dem Hörer bekannt vorkommen, aber das hat es so auf sich, wenn lauter bekannte Musiker in einer Band Musik machen. Der große Unterschied zu Keenans eigentlicher Geschäftsstelle ist ganz klar sein Gesang. Viel öfter darf er hier ruhige Töne anschlagen (wenn er auch meistens zum Refrain hin wieder explodieren darf). Erinnern mag die vergebens hoffenden Tool-Fans nur der Einsatz der vielen Elemente (was unter Anderem Paz zu verdanken ist) in der Musik von A Perfect Circle. Spätestens bei „Judith“ hören aber auch die letzten auf zu jammern, denn was Howerdel aus der Gitarre herausholt, ist schlichtweg fantastisch. Das ist Gitarrenrock, wie die Seele ihn begehrt. Vertrackt und doch findet die Musik sofort den Weg in Ohr, Kopf und Herz.

Wer glaubt, dass es unmöglich ist dieses Niveau über ein Album zu halten hat leider recht. Im zweiten Drittel hängen die Songs in Sachen Einfallsreichtum und Ohrwurmqualität leider ein wenig durch. Sicher, keiner der Songs ist schlecht, aber das Wort Mittelmaß muss hier doch schon mal angesprochen werden. Spätestens mit „Thinking Of You“ beginnt aber das versöhnliche Ende. Die Songs weisen wieder das gewisse Etwas auf. Sei es das Gitarrengewitter in eben diesem „Thinking Of You“ oder der Einsatz von Klavier- und Marimbatönen in „Over“. Wer jetzt immer noch ein Tool-Album will und sich mit „A Perfect Circle“ nicht zufrieden geben kann, ist entweder verwöhnt oder ein Sturkopf. Howerdel schafft es mit seinen Mitstreitern eine sehr ansprechende Platte aufzunehmen, die sich in der Rocklandschaft sehen lassen kann. Ein Ohrenschmaus für Liebhaber der guten alten E-Gitarre.

Anspieltipps:

  • The Hollow
  • Judith
  • Orestes
  • Thinking Of You
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