Jon Bon Jovi - Destination Anywhere - Cover
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Jon Bon Jovi Destination Anywhere


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 63 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Laufe einer langen und erfolgreichen Karriere im Musikbusiness musste schon der ein oder andere Künstler feststellen, dass es nicht immer möglich, ist im alltäglichen Arbeiten mit der eigenen Band alle musikalischen Visionen in die Tat umzusetzen. Neigt sich die Haltbarkeitsdauer einer Band dem Ende zu, ergibt sich für besagte Musiker oftmals die Chance im Schatten der gewonnenen Popularität die eigenen Projekte zu verwirklichen: Ozzy Osbourne tat dies nach dem Ableben von Black Sabbath, Sting nach dem Ende von The Police und Eric Clapton konnte auch in der Zeit nach den Yardbirds und Cream große Erfolge feiern.

Diesem Prinzip folgte 1997 auch Jon Bon Jovi. Nach dem hochgelobten Bon-Jovi-Album „These Days“ im Jahr 1996 und der nachfolgenden Tour, war die Luft bei den Jungs aus New Jersey raus, die notwendig gewordene Pause war erwartet worden und trat folgerichtig ein. Dieser Break ermöglichte es den Bandmitgliedern eigenen Projekten nachzugehen: Tico Torres widmete sich den bildenden Künsten, David Bryan schrieb an Musicals mit und die Herren Richie Sambora und Jon Bon Jovi widmeten sich ihren Soloprojekten:

Das Album „Destination Anywhere“ ist sozusagen die Fortsetzung erfolgreicher Soloprojekte, die für Jon Bon Jovi ihren Höhepunkt im Gewinn des Golden Globe und der Oscarnominierung für „Blaze Of Glory“ – komponiert für den Film „Young Guns II“ (1991) – fand. Die neue Platte distanziert sich stilistisch jedoch vom bekannten „I’m a cowboy on a steelhorse I ride“-Stil der frühen Neunziger: So verschlägt der Opener „Queen of New Orleans“ den Hörer nicht in die Wüste, sondern in die weltberühmte Bourbon Street im French Quarter. Die Geschichte durchtanzter Nächte wird hier in einem intelligenten Text sehr ansehnlich beschrieben. Ein sehr an alte Synthesizer erinnerndes Gitarrenriff schafft von vornherein klare Verhältnisse.

Eine ähnliche Atmosphäre baut die erste Singleauskopplung „Midnight in Chelsea“ auf. Begleitet von Streichern und einer tragenden Basslinie, die vom heutigen Bon-Jovi-Basser Hugh McDonald gespielt wird, versetzt es den Hörer an eine Straßenecke im nächtlichen New Yorker Stadtteil Chelsea. Weiterer Hinhörer der Platte ist „Ugly“: Mithilfe eines eingängigen Riffs und simplen Textzeilen wird die anvisierte Message unverfälscht vermittelt, sodass man über kompositorische Schwächen hinwegsieht. Ähnliches funktioniert auch bei „Naked“: Vergleichbare Aussage, simple, aber wirksame Instrumentierung. Auffällig ist, dass die Scheibe mehrere Tracks („Janie“, „Staring at your Window with a suitcase in my hand“, „Destination anywhere“, „Little city“) aufweist, deren zentrales Motiv das Fernweh und der Wunsch des Ausbrechens aus den Ketten des Alltags ist. Es gelingt Jon Bon Jovi, diese Stücke durchweg verschieden darzustellen – in musikalischer wie textlicher Hinsicht, sodass das Thema nicht in Gefahr gerät, langweilig zu werden.

Geheimtipp der Platte ist das auf einer tatsächlichen Begebenheit beruhende „August 7, 4:15“: Es beschriebt eindrucksvoll den Tod, das Trauern und die „Ermittlungen“ in der amerikanischen Einöde. Die dramaturgisch sehr geschickt eingesetzte musikalische Untermalung macht diesen Track zu einem der Highlights der Platte. Stücke wie „Every word was a piece of my heart“,„It’s just me“ und „Learning how to fall“ sind dagegen nicht ganz so stark. Sie sind nicht schlecht gemacht, kommen aber im Vergleich mit den oben genannten Songs nicht über einen Lückenfüllerstatus hinaus. Denn die behandelten Themen sind bekannt und auch ansonsten kann uns Jon hier nicht viel Neues präsentieren.

Letztlich ist „Destination Anywhere“ ein gelungenes Soloalbum des Bon-Jovi-Frontmanns. Viele Stücke haben wirklich Substanz, sind musikalisch stark und strotzen zum Teil vor gelungenem Wortwitz. Lediglich die angemerkten Tracks vermögen nicht ganz zu überzeugen. Die Scheibe ist eine interessante Angelegenheit für Leute, die, fernab des in letzter Zeit oftmals sehr glatten Bon-Jovi-Sounds, auf der Suche nach alternativen Ideen aus dem Umfeld der Band sowie einfach gut gemachtem, straighten Rock sind.

Anspieltipps:

  • Janie
  • Ugly
  • August 7, 4:15
  • Queen of New Orleans
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