Lady Sovereign - Public Warning - Cover
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Lady Sovereign Public Warning


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„It’s officially the biggest midget in the game, make way for the S-O-V”, so wie sich die kleine Londonerin auf ihrer ersten Single „Love Me Or Hate Me” selbst beschreibt, braucht eigentlich keiner weiteren Erklärung. Die 1,55 Meter kleine, 20jährige Rapperin ist Englands neuer Hoffnungsschimmer. Ihre Songs, die von Mod, Punk, HipHop und dem neuen Grime geprägt sind, stürmten wie ein Lauffeuer durch das World Wide Web und erreichten einen Mann, den man ruhig als Mächtigsten im HipHop-Biz bezeichnen darf. Es handelt sich um Def-Jam-Chef Shawn Corey „aka Jay-Z aka Jiggaman aka Hova“ Carter.

Was für Lady Sovereign eine einzigartige Chance darstellt, könnte für Jay-Z bald zum Verhängnis werden. Denn trotz der hohen Erwartungen, enttäuscht Sovereigns Debüt „Public Warning“ auf ganzer Linie. Nicht nur, dass die Hälfte der Songs bereits in den letzten zwei Jahren als Singles veröffentlicht wurden, sondern auch ihre leicht krächzende Stimme, dürfte bei vielen Käufern auf Ablehnung stoßen. Die produzierten Beats, die rhythmisch nur ganz schlecht anzuhören sind, helfen auch nicht sonderlich für weitere Pluspunkte und geben dem Zuhörer keine andere Möglichkeit, als sich kopfschüttelnd die Ohren zu zuhalten.

Doch als erfahrene Rezensentin fragt man sich natürlich, weshalb so eine Künstlerin trotzdem eine so große Fangemeinde hat. Vielleicht liegt es an der Frechheit des „größten Zwerges im Showbusiness“, da SOV manchmal sogar an Eminems verrückten Rapstil anknüpft. In ihrer ersten offiziellen US-Single „Love Me Or Hate Me“ erzählt die 20-Jährige auf charmante Art und Weise, wie sie wirklich ist: „I wear a big baggy t-shirt that hides that nasty sh*t / never had my nails done / bite them down until they’re none / Whooops, might burp in your face / A little unladylike what can I say“. Vielleicht lieben ihre Fans aber auch den süßen, britischen Akzent, den Louise Harman, so die Künstlerin mit bürgerlichem Namen, an den Tag legt.

Sicher ist auf jeden Fall, dass die kleine Rapperin im Trainingsanzug nur mit wenigen Songs überzeugen kann. Neben der ersten Single und den Tracks „Gatheration“ und „Hoodie“, ist „Random“ eindeutig einer der Höhepunkte von „Public Warning“. Hier nimmt Lady Sovereign ihre amerikanischen Kollegen mit ihrem US-Slang auf den Arm und zitiert einige Sätze aus bekannten HipHop-Tracks. Es beginnt mit einem Versuch Sean Paul nachzuahmen und geht anschließend in ein „Everbody in the club gettin’ tipsy“-Zitat von Rapper J-Kwon über. Anschließend ist ein „Move titch get out the way“ zu hören, dass ursprünglich von Ludacris stammt. In der zweiten Strophe beschäftigt sich die junge Lady mit der amerikanischen Aussprache, indem sie Chingys „Right Thurr“ verwendet: „Well I’m right thurr, nah tell a lie coz I’m right there / Right hurr, nah right here / Now get off your churrr, I mean chair“.

In „My England“ versucht Louise Harman die Vorurteile über England aus dem Weg zu räumen und geht speziell auf ihren Geburtsort, London, ein („Big up Oliver Twist, letting us know the nitty gritty of what London really is, / It ain’t all pretty, deal with the realness, it’s all gritty/ Now do the Tony Blair, throw your handy in the air now everywhere”). Obwohl die genannten Songs von der lyrischen Seite betrachtet, sehr eindrucksvoll sind, fehlt das stimmliche Talent von Lady Sovereign. Denn die eigenartige Tonlage und Stimme ist wirklich nicht für jeder Mann und Frau und dürfte in Zukunft auf reichlich Widerstand treffen.

Vor allem HipHop-Fans werden sich mit Lady Sovereigns Musikstil nicht ganz anfreunden können. Denn obwohl die Londonerin einen sehr guten Rapstil mit vielen verschiedenen Varianten vorzuweisen hat, sind die Beats eher Anti-HipHop-mäßig angelegt und gehören eher in Richtung Pop. Ein bisschen Old School-Feeling gibt es allerdings mit dem Track „Those Were The Days“, indem sich Lady S-O-V an die vergangenen Kindertage erinnert („We used to play jump the line / or who could wrap the swing around the frame the most times / Riding our bikes around the estate and playing basketball in the cage”).

Zu guter Letzt trifft der fleißige Zuhörer auf einen Remix von „Love Me Or Hate Me” mit einem Gastauftritt von Rapperin Missy Elliott. Danach ist man um ein paar gute Songs reicher und kann Lady Sovereigns „Public Warning“ ohne Schuldgefühle in die hinterste Ecke der CD-Sammlung stellen.

Anspieltipps

  • Random
  • Love Me Or Hate Me
  • Hoodie
  • Those Were The Days
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