Modest Mouse - We Were Dead Before The Ship Even Sank - Cover
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Modest Mouse We Were Dead Before The Ship Even Sank


  • Label: Red Ink/Rough Trade
  • Laufzeit: 63 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Für das neue Album kam man gar mit einem Paukenschlag zurück, der sich in Form von Johnny Marr als mittlerweile festes Bandmitglied ereignete.

Auch wenn sich Modest Mouse erst mit dem Majordeal und dem letzten Album „Good News For People Who Love Bad News“ aus 2004 mehr Gehör verschaffen konnten und vom Geheimtipp zur etablierten Indie-Rock-Formation mit Exotenbonus (nicht nur bedingt durch den Gesang von Isaac Brock) avancierten, gibt es die als Trio gestartete Band aus Washington State bereits seit 1993. Ein Jahr später erschien die Debüt-EP mit dem Namen „Blue Cadet-3, Do You Connect?“, die beim Kleinstlabel K Records sofort das Interesse weckte und den Weg für zwei LP´s beim Up Label frei machte. Schließlich fuhr das 97´er Werk „The Lonesome Crowded West“ gehörig Kritiker-Lob ein und offenbarte sich als Independent-Rock der lebendigen und vor allem eigenwilligen Sorte, was sich durch geniale, variantenreiche Songbauten und Brocks extravagante Vocals äußerte. So arbeiteten Modest Mouse konsequent und von Seitensprüngen des Sängers Isaac Brock und des Schlagzeugers Jeremiah Green aufgelockert an der Etablierung ihrer Band, welche mittlerweile geglückt ist und Modest Mouse sich nach wie vor spritzig der Musikwelt zeigen.

Für das neue Album „We Were Dead Before The Ship Even Sank“ kam man gar mit einem Paukenschlag zurück, der sich in Form von Johnny Marr (Ex-The Smiths) als mittlerweile festes Bandmitglied ereignete. Mr. Marr bedient seine heiß geliebte und unnachahmlich gespielte Gitarre, wobei er auch am Songwriting teilnahm und zusammen mit seinen frisch gebackenen Bandkollegen einen grandiosen, zu jeder Zeit aufregenden Longplayer in Instrumentierung und Songaufbau auf die sehnsüchtig wartende Hörerschaft loslässt. Und diese dürfte schon im dramaturgisch vereinnahmenden Opener „March Into The Sea“ den Amerikanern zu Füßen liegen. Krachige Arrangements treffen dort auf leise Zwischenparts, in denen Melancholie die brodelnde Energie ablöst und Isaac Brock gelegentlich von seinen manischen Schrei-Parts absieht. So auch beim funkig trabenden „Dashboard“, dem besonders die eingängigen Gitarren und feierlichen Geigen einen Hit-Appeal attestieren, der sich nicht so schnell aus dem Kopf verabschieden wird.

Ein weiteres Kleinod der faszinierend vielschichtigen Sorte folgt mit „Parting Of The Sensory“, dessen Folk-Anteil mit schöngeistigen Akustikgitarren und Brocks mahnender Stimme nur der Anfang einer von Atem raubenden Geigen eingeleiteten Pracht voll von manischen Handclaps und Schlagzeug-Salven ist. Hier macht sich auch wieder einmal die Bandbreite in Brocks Stimme bemerkbar, die zwischen Wutausbrüchen und dahinsiechender Lebewohl-Mentalität auch gern eine harmonische Seite nach außen trägt. Man könnte jedenfalls Song für Song schriftlich darstellen und doch nur einen verschwindend geringen Anteil dieser sonderbaren Glanztat mit dem unheilsschwangeren Titel „We Were Dead Before The Ship Even Sank“ so ausdrücken, wie es ihr gebührt. Da greift man doch viel lieber zur Fernbedienung, um durch diese CD eine verschrobene Reise durch anderswo in ihrer Nachhaltigkeit gerade mal angeschnittene Indie-Gewässer wieder und wieder zu unternehmen. Nicht nur die Fangemeinde darf sich freuen, auch jeder an exaltierter und doch höchst schnittiger Musik Interessierte wird sich (hoffentlich) dieser CD nähern. Bleibt einem nur zu wünschen, dass Isaac Brock in Anbetracht seiner kürzlich inszenierten Selbstverstümmelungs-Szenarien im Rahmen eines Konzertes in South Dakota (USA) nicht wirklich mit seinem Leben spielt...

Anspieltipps:

  • Dashboard
  • Parting Of The Sensory
  • Missed The Boat
  • Spitting Venom
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