Thought Chamber - Angular Perceptions - Cover
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Thought Chamber Angular Perceptions


  • Label: Inside Out/SPV
  • Laufzeit: 55 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die in unseren Breitenkreisen größtenteils untergegangene Veröffentlichung „Sketches from the thought chamber“ (06/2001) von Sänger, Gitarrist und Keyboarder Michael Harris legte den Grundstein für die Gründung der an den Titel dieses Werkes angelehnten Band Thought Chamber, die, neben Harris, zusätzlich aus Derek Blakley (Bass), Rob Stankiewicz (Schlagzeug), Bobby Williamson (Keyboard) und Enchant-Sänger Ted Leonard besteht. Letzterer brachte die Emotionalität seiner Stimme, die Texte und die Nähe seiner Hauptband zu den Vorzeige Prog-Königen Dream Theater mit, was sich vor allem in den Drum- und Keyboardparts niederschlägt, und Harris schrieb gemeinsam mit der restlichen Truppe an der Musik.

Wo jedoch die Herrschaften Petrucci, Portnoy & Co. in ihren Stücken eine Sogwirkung entstehen lassen, die den Hörer so schnell nicht loslässt, schaffen es die meisten Tracks auf „Angular perceptions“ nicht durch ihren stellenweise behäbigen Gestus nur annähernd dieselbe Faszination hervorzurufen. Das liegt abgesehen von der Produktion, die etwas schwach auf der Brust ist, auch an der Darbietung von Drummer Stankiewicz, der ruhig ein wenig kräftiger auf seine Felle dreschen könnte, denn dann wäre der Sound wesentlich knackiger ausgefallen. In den ersten Tracks wird um der Langeweile vorzubeugen immer wieder die Akustische herausgeholt, Williamson rast auf seinem Keyboard die Klaviatur hoch und z.B. in dem Instrumental „Mr. Qwinkles therapy“ werden Klänge eingestreut, die aus einem alten C64 stammen könnten. Das ist höchst amüsant, widerstrebt aber dem Anspruch an eine ausgefeilte und vor allem interessante Prog-Metal-Scheibe.

Herzstück und Wendepunkt auf „Angular perceptions“ ist „Transmigration of souls“, das sich textlich mit dem Gedanken der Wiedergeburt im Glauben der Ägypter befasst und dies mit kleinen zaghaften Verweisen an die Musik dieses Kulturraumes verziert. Auch Leonard, der sich bislang zurückgehalten hat in Kopfstimmen-Bereiche vorzudringen, bricht aus sich heraus und sorgt für die richtigen Akzente. Das im Anschluss mit leicht progressivem Ansatz vor sich hin rockende „God of oblique“ ist dafür wieder durchschnittliche Kost, während das folkloristisch anmutende „Silent shore“ für eine ruhige, schwebende Atmosphäre sorgt, bevor es mit dem Instrumentalstück „Accidently on purpose“ härter weitergeht. Dieses stellt zwar keine Innovationsrekorde auf, ist in seiner Kompaktheit aber trotzdem eine nette, technische Zurschaustellung des Könnens der vier Musiker.

Das abschließende „A mind beyond“ ist im Gegensatz dazu epischer ausgelegt, den Drive, die Spannung und Intensität einer Dream Theater-Komposition erreichen Thought Chamber aber dennoch nicht, selbst wenn der instrumentale Solomittelteil bemüht ist sich unaufdringlich in das Geschehen einzufügen anstatt ungefragt loszustürmen. So bleibt am Schluss dennoch ein gespaltener Eindruck, nicht nur wegen der mauen ersten Hälfte, sondern auch wegen der zurückhaltenden Produktion, die, wie das fehlende Salz in der Suppe, bei „Angular perceptions“ einen faden Beigeschmack hinterlässt.

Anspieltipps:

  • A Legend´s Avalon
  • Accidently On Purpose
  • Transmigration Of Souls
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