Nils Koppruch - Den Teufel Tun - Cover
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Nils Koppruch Den Teufel Tun


  • Label: V2/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Zehn Jahre lang bewohnte die Band Fink ein kleines Nest, in der im Laufe der Jahre viel zu morsch gewordenen Eiche des deutschen Musikwaldes, und füllte in Ihrer Schaffenszeit so manche musikhungrigen Schnäbel. Im letzten Jahr gab die Band ihre Auflösung bekannt und es verschwand wieder einmal eine hervorragende und leider viel zu unbekannte Musikkapelle von der Bildfläche.

„Den Teufel Tun“. Dachte sich auch Ex-Fink Sänger Nils Koppruch und machte sich mit Hilfe ehemaliger Bandkollegen und befreundeter Musiker an die Aufnahmen seines ersten Soloalbums. Das Ergebnis ist eine Mischung aus, Folk, Americana und Tom Waits. Angerichtet in bester Songwriter-Tradition. Zwar hat er sich auf dieser Platte nicht neu erfunden und die musikalische Vergangenheit zu Fink ist deutlich hörbar. Dennoch hat sich Koppruch weiterentwickelt und dies wird besonders in der sprachlichen Reichhaltigkeit seiner Songs deutlich. Auf ruhigen Sohlen huscht er von Lied zu Lied. Die alte klangvolle Westerngitarre immer noch im Gepäck. Von dezentem Schlagzeugspiel, einer handvoll Streichern und der unverkennbaren melodischen Mundharmonika begleitet, interpretiert er seine Geschichten über die Liebe, das Leben und die Musik. Von einer bittersüßen Violine getragen säuselt er auf „Komm Küssen“ ein Liebesbekenntnis hinaus in die Welt und preist von dezentem Chor begleitet auf „Einmal“ die Einzigartigkeit des menschlichen Daseins an.

Koppruch schreibt Lieder über das Lieder schreiben. Über Menschen, ihre Geheimnisse und Besonderheiten. Über die Beobachtung all dessen, was er so eindringlich und mit eigenem lyrischen Duktus wiederzugeben vermag. Innige Geständnisse und intime Beobachtungen prägen seine Kompositionen. Er spielt mit Wörtern, Bildern, Symbolik und Gleichnissen, die auch oft beim zehnten Durchlauf nur schwer einzufangen und verorten sind. Und das ist auch das Besondere an dieser Platte. Er erzählt nicht wie viele, in ihrer eigenen Liedermacherbefindlichkeit gefangenen Barden über die Gefahren der Erderwärmung, die Problematik der Globalisierung oder die zunehmende Verdrossenheit in der Politik. Ihm geht es vielmehr um die kleinen Schicksale und Zufälle, die über Glück oder Pech entscheiden. Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit sind ihm wichtig, genauso wie das Eingestehen von Fehlern und das Verzeihen. „Sie sang die Dummheit aus den dummen Leuten“ heißt es im von sanft angeschlagener Akustikgitarre getragenen Titeltrack. Eingängig und nachvollziehbar. „Du bist immer noch da, auch wenn Du schweigst“ singt Koppruch auf „In die Stille“. Und passender kann man die Atmosphäre des Albums nicht einfangen. An manchen Stellen vielleicht zu metaphorisch. Hier und da auch einen Tick zu leise und zu minimalistisch vorgetragen. Aber es braucht auch nicht immer der lauten Töne und hundertprozentig nachvollziehbar verständlichen Aussagen, um das zu beschreiben was das Leben ausmacht.

„Den Teufel Tun“ ist der erste Schritt in eine musikalische Eigenständigkeit, die vielen anderen Künstlern auch noch nach ihrer fünften Veröffentlichung abhanden zu sein scheint. Nils Koppruch ist auf dem richtigen Weg einer neuen Liedermacher-Generation den Weg zu weisen. Ein Weg, auf dem sie persönliche musikalische Passionen und ihre künstlerische Eigenständigkeit fernab jeglicher Weltverbesserungsvorschläge frei entfalten können.

Anspieltipps:

  • Den Teufel Tun
  • So Wie Im Film
  • Mein Einziges Lied l
  • In Die Stille
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