No Angels - Destiny - Cover
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No Angels Destiny


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Irgendwie waren die No Angels doch immer die sympathischsten Figuren in dem ganzen Casting-Zirkus. Sie waren nicht nur die erfolgreichste Gruppe aus dem Popstars-Stall, die fünf Mädels wirkten trotz aller Berühmtheit immer noch überraschend natürlich und singen konnten sie wirklich richtig gut. Ihr Abschied aus der Musikwelt hinterließ jedenfalls ganz sicher ein größeres Loch, als diejenigen von Bro’Sis, Nu Pagadi und wie sie nicht alle heißen. Für Millionen von Fans schien bei der Trennung 2003 die Welt unterzugehen und nicht wenige hofften auf eine Wiedervereinigung. Dieses Jahr erfolgte dann endlich die Erlösung. Nach eher mäßig laufenden Solokarrieren entschieden Jessica, Lucy, Nadja, Sandy sich unter altem Banner wieder zusammenzutun, einzig Vanessa schien keinen Bock auf die Reunion zu haben.

Von der Boulevardpresse wurde die Wiedervereinigung der No Angels schon als das Comeback des Jahres gefeiert, die im Voraus ausgekoppelte und mittlerweile durch die Promotion hinreichend bekannte Single „Goodbye To Yesterday“ enttäuschte leider ein wenig. Der Song ist war nicht wirklich schlecht, aber für eine Rückkehr mit Paukenschlag doch ein wenig lasch und verliert sich etwas in belanglosem Gedudel. Schade eigentlich, da hätte es auf dem Album einige bessere Lieder gegeben. Wie wäre es zum Beispiel mit „Back Off“ gewesen? Für die Verhältnisse der Engel wird hier mit durchaus beachtlicher Aggressivität losgerockt und auch der energetische Refrain weiß zu überzeugen. Ein weiteres Highlight ist „I Had A Feeling“ mit seinem lockerleichten Groove und den kleinen Soundspielereien im Hintergrund. „A Reason“ beginnt ziemlich musicalmäßig, dreht im Refrain aber ordentlich auf und könnte sich als guter Live-Song erweisen. Das wäre die perfekte erste Single gewesen.

Das Problem der No Angels war seit jeher, dass sich zwischen einer Handvoll guter bis annehmbarer Songs ziemlich viel Füllmaterial versteckte, und auch „Destiny“ macht da leider keine Ausnahme. Vor allem das Abkupfern der Songschreiber bei anderen Acts ist ärgerlich. So ist der Synthie-Beat der Strophe von „Been Here Before“ ein dreistes Plagiat von Justin Timberlakes „SexyBack“, der seltsame Chorus und die Streicherelemente wollen hier auch so gar nicht ins Bild passen. „Make A Change“ hätte man auch gleich „Don’t Let Go Part 2“ nennen können, so offensichtlich wird hier vom größten Hit der amerikanischen Girlgroup En Vogue geklaut. Und ja, der Groove von „Come Together“ der Beatles ist cool, trotzdem muss man ihn nicht wie in „Maybe“ fast eins zu eins übernehmen. Bleiben noch einige mittelprächtige Songs wie „I Believe In You“ oder „Misguided Heart“. So sehr man es den vier verbleibenden Engeln auch wünschen würde, den Vogel haben sie mit ihrem Comeback sicher nicht abgeschossen. Unterm Strich ein ziemlich mittelmäßiges Album, das die Fans natürlich trotzdem lieben werden, soweit sie über das Fehlen von ihrer Vanessa hinwegsehen können.

Anspieltipps:

  • Back Off
  • I Had A Feeling
  • A Reason
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