Wir Sind Helden - Soundso - Cover
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Wir Sind Helden Soundso


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf das Cover des Musikexpress kommen nur ausgesuchte Künstler und Bands wie Conor Oberst oder Maximo Park, die eingefleischte Mainstreamhörer nicht immer kennen. In diesem Monat wurde die Ehre Wir sind Helden zuteil. Etwas besonderes müssen die vier Musiker also können: Judith Holofernes steuert neben dem Gesang und Gitarre vor allem die guten deutschen Texte dazu. Mark Tavassol, Jean-Michel Tourette und Judiths Ehemann Pola Roy bilden mit Judith ein Team, da steuert jeder etwas zum guten musikalischen Klang und Erfolg bei.

Das dritte Album der seit vier Jahren existierenden Band möchte keine Kopie seiner hochgelobten Vorgänger sein. Die neue „Neue Deutsche Welle“, die auch Silbermond und Juli an die Spitze brachte, brauchte eine Vorreiterband. Wir sind Helden schafften mit rockiger Attitüde und intelligenten gesellschaftskritischen Texten den Durchbruch. Die zwölf neuen Songs halten das hohe Niveau, das wird dem Hörer schon mit der ersten Singleauskoppelung „Endlich ein Grund zur Panik“, welche losrockt wie die Feuerwehr. Die punkige Art und Weise wie die Helden mit bewusst disharmonischem Gesang den ewigen Pessimisten wie Politikern oder auch Medien, die viele Dinge ins Negative ziehen, ins Gesicht singen und schreien, ist einer der Höhepunkte des Longplayers. Einzig der Opener „Ode an die Arbeit“ enttäuscht mit plattem Text, der wohl witzig sein soll, aber wenig Freude bringt.

Die anderen Tracks erreichen dafür ein ganz anderes Niveau, die Helden wechseln oft das Tempo, zum Ende der Platte überraschen Judith und Pola mit dem melancholischen Song „Stiller“, den sie zusammengeschrieben haben und der ungewohnt ruhig aus den Boxen perlt. „Hände hoch“ setzt völlig auf den Einsatz des Keyboards auf das die Helden, allen voran Herr Tourette, früher und auch heute selten verzichten. Das groovt so schön, ein wenig entsteht ein „Are friends electric“-Gefühl (Gary Numan) und sorgt für eine wohlige Zeitreise. Der Schlusssong „Lass uns verschwinden“ enthält die Textzeile „Denkst du nicht auch, die Welt – und ich meine die eine – dreht sich längs von alleine. Denkst Du nicht auch, wenn wir verschwänden, dass sich genug zum Drehen fänden“. Damit beweist Holofernes auch beim dritten Silberling, dass sie zur Liga der besten deutschsprachigen Songschreiberinnen gehört.

Das sichere Textgefühl von der jungen Mutter Holofernes wird mit dem immer noch nach vorne rockenden Sound gepaart sowie leisen nachdenklichen Songs, da bleibt kaum ein Wunsch offen. Erstmals singt übrigens bei „Für nichts garantieren“ ein Gastsänger, Francesco Wilking von der Band Tele, mit. Wir sind Helden liefern wieder einmal Qualitätsarbeit ab und viele Tracks sind wie geschaffen, um die hervorragenden Live-Qualitäten der Helden unter Beweis zu stellen.

Anspieltipps:

  • Stiller
  • Soundso
  • Hände hoch
  • Die Konkurrenz
  • Endlich ein Grund zur Panik
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