Tori Amos - American Doll Posse - Cover
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Tori Amos American Doll Posse


  • Label: Epic/SonyBMG
  • Laufzeit: 78 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn man sich auf, sagen wir mal, ein Dutzend Songs beschränkt, kristallisiert sich eine Perle nach der anderen aus dem Liederwust heraus.

Himmel, was kommt da auf den Hörer zu? 23 Songs auf einer CD (andere würden daraus bestimmt ein Box-Set machen), fast 80 Minuten Spieldauer (und damit fern jeglicher Herstellergarantien für eine 100%ige Kompatibilität mit allen Abspielgeräten), sowie fünf verschiedene Charaktere (vertreten in Wort, Bild und Ton) – Tori Amos tobt sich auf ihren Alben immer mehr nach Lust und Laune aus, denkt gar nicht erst über Kompromisse nach und festigt damit ihren Spitzenplatz in der Welt der progressiven Popmusik. So auch mit „American Doll Posse“, Toris neuntem Studioalbum, auf dem die Songschreiberin, inspiriert von der griechischen Mythologie, in die Rollen von fünf Frauen schlüpft („Isabel / hisTORIcal”, „Clyde / cliTORIdes”, „Pip / expiraTORIal”, „Tori / terraTORIes”, „Santa / sanaTORIum”), die zusammen eine Person ergeben.

Da diese Story nicht nur musikalisch, sondern auch optisch umgesetzt wurde, wird dem Fan geraten, auf jeden Fall zur limitierten Erstauflage zu greifen, die im XL-Format mit reichbebildertem Booklet, Postkarten und Bonus-DVD daherkommt. Damit wird das Album zu einer runden Sache, für die Tori Amos folgende „Anleitung“ herausgibt: „Zu jeder Stimme gehörte ein kompletter Charakter. Jede Persönlichkeit hatte ihr eigenes Aussehen und ihren eigenen Stil. Und jede Frau hatte etwas Wichtiges zu sagen über ihre Rolle in einer Welt, die immer noch vom Patriarchat bestimmt wird und über die Fesseln, die ihr angelegt wurden und die ihr nicht erlauben, ihr wirkliches Ich zu zeigen.“

Auch wenn es sich um fünf Charaktere handelt, die „ihre Songs“ auf dem Album darbieten, sind 23 Lieder natürlich ein paar zuviel des Guten, denn zwischendurch geht „American Doll Posse“ immer wieder ein wenig die Luft aus, wenn die Lieder beliebiger werden und es eigentlich nichts mehr zu sagen gibt („Girl disappearing“, „Body and soul“. Und dieser Endruck hat nichts mit verminderter Konzentrationsfähigkeit oder Aufmerksamkeitsdefiziten zu tun. Unterm Strich ist es einfach zuviel Songmaterial, durch das man sich durchkämpfen muss. Und das macht die Sache anstrengend für den Hörer, der sich vermutlich mit der Programmierfunktion seines CD-Players eine Art „Best Of American Doll Posse“ zusammenstellen muss.

Wenn man sich auf, sagen wir mal, ein Dutzend Songs beschränkt, kristallisiert sich eine Perle nach der anderen aus dem Liederwust heraus. Das können sanfte Balladen wie „Father’s son“ sein, kurze Interludes wie das USA-kritische „Yo George“ (nicht mal 1½ Minuten lang, aber traumhaft schön), groovende Stomper wie „Big wheel“, luftigleichte Hits wie „Bouncing off clouds“, forsch lärmende Operetten wie „Teenage hustling“ oder verschrobene Stücke wie „You can bring your dog“. Dann knüpft auch dieses Tori-Amos-Werk zumindest streckenweise an seine starken Vorgänger an, wenn auch nur sehr knapp, was aber immer noch für eine gute Bewertung reicht.

Ach ja, mein sündhaftteurer CD-Player aus dem Hause Sony wollte dieses Sony-Produkt leider nicht bis zum Ende abspielen. In Mitten des 22. Tracks war plötzlich Schluss und der Laser trat in den Streik. Fazit: Beim nächsten Mal sollte soviel Musik besser auf zwei Silberlinge verteilt werden. Danke für ihre Aufmerksamkeit!

Anspieltipps:

  • Yo George
  • Secret spell
  • Beauty of speed
  • Teenage hustling
  • Bouncing off clouds
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