CocoRosie - The Adventures Of Ghosthorse - Cover
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CocoRosie The Adventures Of Ghosthorse


  • Label: Touch & Go/SOULFOOD
  • Laufzeit: 42 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Um das Geschwisterpaar Bianca und Sierra Casady ranken sich so viele Mythen, wie sie auch in der Musik ihrer nonkonformen Ausdrucksform namens CocoRosie zu verorten sind. Schillernd, verstörend, hauchend oder aufrüttelnd – CocoRosie bedienen kein bestimmtes Genre, sind eigentlich nie richtig zu fassen und doch verzaubern sie mit allem, was sie auch tun. So sorgten die bisherigen Alben „La Maison De Mon Reve“ und „Noah´s Ark“ mit Folk, Hip Hop und sich nach eingehender Beschäftigung entfaltenden Pop-Harmonien für überaus positive und leidenschaftliche Emotionen in der Indie-Kommune des nicht greifbaren, seltsamen Schöngeistes. Spannung ist im Kontext der beiden mittlerweile in Frankreich ansässigen Amerikanerinnen immer angesagt, so auch im Vorfeld des dritten Albums „The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn“, das den kreativen Prozess auf einer französischen Farm erlebte, das Landleben mit Samples einfing und schließlich in den Greenhouse Studios im isländischen Reykjavik von Björks Mastermind Valgeir Sigurdsson abgemischt wurde.

Zu allererst fällt in der aktuellen Darbietung von CocoRosie auf, dass sie direkter geworden ist, vielleicht sogar klarer und strukturierter. Tragik und Trauer nehmen einen zentralen Platz ein und machen sich in klaviergetränkten Orchestral-Passagen bemerkbar, die beim ersten Hördurchlauf noch präsenter erscheinen, als sie eigentlich sind. Nach und nach entfalten sich zarte Wendungen und stilistische Dehnübungen, denen man gar nicht genug Zeit schenken kann. Doch der Auftakt ist noch sehr poppig, vielleicht sogar der eingängigste Song, den CocoRosie je geschrieben haben. Er nennt sich „Rainbowarriors“ und gerät mit prägnanten Beats und elektronischen Soundwirrungen zu einem wahren Hit, der mit glockenhellen Chorgesängen und pulsierenden Scratches einfach alles richtig macht. Triumphierend folgt in Form von „Japan“ ein Kinderlied-Euphoriker, wie ihn eigentlich nur die entzückend andersartigen Schwester hinbekommen. Saiteninstrumente tröpfeln leise vor sich hin, während Percussions den Takt leicht federnd unterlegen und die Schwestern gesanglich gen freudiger Schrägheit wandeln, um im Mittelteil opernhaft opulent zu glänzen.

„Sunshine“ ist ein kurzer, schmerzlich leiser Abgesang an die Schnelllebigkeit dieser Zeit und eignet sich, wie alles im Hause von CocoRosie, bestens zum Abdriften in eine Welt, die in ihrer entrückten Erscheinung so viel Wohligkeit bereithält, die andere Künstler nicht einmal auf zehn Alben erschaffen. Natürlich reden wir hier nicht von einer offensichtlichen Wohligkeit, sondern von einer, die man sich erarbeiten muss. Und noch nie war es so leicht bei einem Album der Schwestern Bianca und Sierra, zum Kern zu gelangen und doch mehr als genug entdecken zu können. Ob nun Samples, die einem Landluft in die Nase treiben oder städtische Industrial-Beats, Folk-Perlen oder Hip Hop – „The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn“ ist eine tiefe Verneigung vor der Trauer in jedem von uns und der Möglichkeit, spielerisch damit umzugehen. CocoRosie sind einzigartig und machen sich mit diesem Album nahezu unsterblich!

Anspieltipps:

  • Rainbowarriors
  • Japan
  • Werewolf
  • Animals
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