Patenbrigade: Wolff - Hochstapler - Cover
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Patenbrigade: Wolff Hochstapler


  • Label: Zweieck Recordings
  • Laufzeit: 74 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Baustellen-Romantik ist zwar nicht gerade eine weit verbreitete Thematik in der Musik, doch Patenbrigade:Wolff (Sven Wolff und Lance Murdock) widmen sich dieser schon seit ihren Anfangstagen in 1998. ´Electro/Ambient für Turmdrehkranführer´ ist der Banner, unter dem das Duo industrielle Klanglandschaften, die an städtische Großbaustellen erinnern, und melodische Versatzstücke, deren Hit-Appeal an manchen Stellen unbezwingbar ist, verbindet. Fern ab von proletenhafter Bauarbeiter-Selbstinszenierung schufen Patenbrigade:Wolff ihren eigenen Kosmos, der in der Live-Performance genau so wie im Artwork und den gelegentlich vorhandenen Texten bzw. Samples zielstrebig durchgezogen wird. Mittlerweile bei Album Nr. 3, „Hochstapler“, angekommen, waren es vor allem die dazugehörigen Vorab-Singles „Ostberliner Bauarbeiter“ (mit der Stimme des Ex-Staatsratvorsitzenden der DDR Walter Ulbricht ausgestattet) aus dem Jahr 2004 und die letztjährige Maxi-CD „Gefahrstoffe“, die in den Deutschen Alternative Charts (DAC) und in Szenekreisen Gehör fanden.

„Hochstapler“ erscheint als Erstauflage in einer DVD-Metallbox mit Gravur und ist nicht nur von der optischen Seite eine Anschaffung wert. Musikalisch bewegt sich das Gespann Wolff/Murdock zwar im üblichen Rahmen, kommt aber gerade deswegen einzigartig daher. Wer kann schon von sich behaupten Titel wie „Ostberliner Bauarbeiter“, „Doppelmeisterschalter“ oder „Der Zementmischer“ zu wählen und ohne albern zu sein stets stilvoll im träumerischen Dickicht aus Industrial und Ambient zu glänzen. In gewisser Ostalgie schwelgend reihen sich gedankenverlorene Soundscapes an ruhige bzw. auch mal aufrüttelnde Beats und werden von seltsamen Sprachfetzen, die den dokumentarischen Songnamen in nichts nachstehen, gar idyllisch verziert.

Als Fix-Punkte auf einem durch und durch guten, trotz der üppigen Spielzeit kurzweiligen Album gelten die Songs mit Sara Noxx aus Berlin, die lasziv und so wunderbar charmant ihre Stimme den maschinellen Themen leiht und damit ihre unverkennbare stimmliche Prägnanz in der Electro-Szene untermauert. Doch man tut sich schwer, einzelne Songs hervorzuheben und wird in der Gesamtheit deutlich mehr Geschlossenheit und anschmiegsame Sound-Collagen finden, die im Kontext einen tollen Gegenpart zur vermeintlich kalten Industrie-Thematik liefern und damit für einen soliden Höhenflug im Hause der Patenbrigade sprechen. Wie bei so manchen Ambient-Alben ist auch hier nach einer gewissen Zeit eine Übersättigung nicht zu verleugnen, aber das soll die derzeitige Freude über ein durchweg harmonierendes und schlüssiges Album(-konzept) nicht schmälern.

Anspieltipps:

  • Ostberliner Bauarbeiter
  • Gefahrstoffe (Feat. Sara Noxx)
  • Korrosionsnarben
  • Demokratischer Sektor
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