Junges Glueck - Raus Aus Flüsterleben - Cover
Große Ansicht

Junges Glueck Raus Aus Flüsterleben


  • Label: Strange Ways/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Hamburg und alternativer Pop – Das gibt es nicht erst seit der Hamburger Schule und da diese in ihrer medialen Dauerrotation schon längst das Zeitliche gesegnet hat, könnte man Junges Glueck aus der Hansestadt auch einfach als Power-Pop mit bildmalerischen Texten bezeichnen, was an anderen Orten wohl wieder unter den Begriff Emo fallen würde. Aber wie dem auch sein, plakative Genre-Zuordnungen sollen hier nicht das Zweitwerk von Junges Glueck mit dem herzlichen Titel „Raus Aus Flüsterleben“ beschweren. Viel mehr ist es nämlich eine leichte, aufmunternde Angelegenheit, wie sich das Trio um Sänger/Songschreiber Niclas Breslein mit der produzierenden Unterstützung von Peta Devlin die Zweifel von der Seele rockt und Melodien für Indie-Millionen parat hält.

Die Sinne raubende, mit Präzision dominierende Gitarre im Opener „Fluss“ gehört jedenfalls schon jetzt zum schnittigen Frühlingstanz wie das Schmuddelwetter zu Hamburg und prägt melodisch diesen Auftakt an energetischer Frustbewältigung. „Flüsterleben“ lehnt sich an federleichten Piano-Pop mit Folk-Einschlag und tröpfelt anhand von zuckersüßen Harmonien direkt in die Seele, wo von Schmuddelwetter keine Rede mehr sein kann. Auf „Raus Aus Flüsterleben“ regiert Genuss ohne Reue, welcher trotz der zuckrigen Hymnen an die Jugend und ihre Einbahnstraßen auch nach eingehender Beschäftigung zumindest in der ersten Album-Hälfte nichts von seiner Dringlichkeit verliert. Dafür sorgt zum einen die Balance aus rastlosem Power-Pop und ruhigen, schwelgerischen Elementen, die merklich raffiniert umgesetzt wurde. Textlich bestimmen skizzierte Geschichten und wortgewandte Umschreibungen die Szenerie, so dass genügend Anspielungen Raum für Interpretationen liefern.

Als Fazit bleibt dennoch festzuhalten, dass der grandiose Start um „Fluss“ und „Flüsterleben“ die Messlatte sehr hoch hängt und der zweite Longplayer von Junges Glueck schlussendlich daran krankt, dieses Niveau im weiteren Verlauf nicht mehr halten zu können. Daran ändern auch die inbrünstige Pathos-Ballade „Wie Flutlicht“ und die wütenden Gitarren-Riffs bei „Treppenhaus“ nur wenig. Diese Beigaben lassen noch einmal hoffen, dass an den starken Auftakt angeknüpft werden kann, doch leider reicht es nicht. Vom Songwriting wird es deutlich nachlässiger und so schaffen es Junges Glueck nicht, ihr hörbares Potential vollends auf CD zu bannen.

Anspieltipps:

  • Fluss
  • Flüsterleben
  • Treppenhaus
Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
6/10

Jellies
  • 2018    
6.5/10

Ge Bitte!
  • 2018    
Diskutiere über „Junges Glueck“
comments powered by Disqus