The Book Of Knots - Traineater - Cover
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The Book Of Knots Traineater


  • Label: Anti Records/SPV
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Das aus Matthias Bossi (Skeleton Key, Sleepytime Gorilla Museum), Joel Hamilton (Shiner, Battle Of Mice, Elvis Costello), Tony Maimone (Pere Ubu, Frank Black, They Might Be Giants) und Carla Kihlstedt (Tin Hat Trio, Sleepytime Gorilla Museum, 2 Foot Yard) bestehende New Yorker Studio-Kollektiv The Book Of Knots legt mit „Traineater” bereits das Zweite von drei vereinbarten Alben vor. Der erste Longplayer war eine „Ode to the rotting seaside towns of Matthias and Joel’s youth”, das zweite, aktuelle Album bezeichnen The Book Of Knots als „Tribute to the American rust-belt” und die dritte Platte wird unter dem Motto „A praising of all things aeronautical”entstehen.

Der „Rust Belt” ist das alte Zentrum der Schwerindustrie (Manufacturing Belt). Er erstreckt sich von Chicago über Detroit und Pittsburgh bis New York. 1776 begann diese Region um die großen Seen im Nordosten der USA zur wachstumsstärksten Region der Staaten zu werden. Doch ab 1960 begann der Niedergang des „Manufacturing Belt“ zum „Rust Belt“ aufgrund der Abwanderung der Schwerindustrie in die billiger produzierenden Entwicklungsländer. The Book Of Knots widmen dieses Album einer einst blühenden Region, von der mittlerweile nur noch verlassene Ruinen übrig sind. Mit an Bord holten sie zahlreiche Gastmusiker wie Tom Waits, David Thomas, Mike Watt, Jon Langford, Megan Reilly und Carla Bozulich.

Auf „Traineater“ werden auf der einen Seite verstörende und harte Szenarien („View From The Watertower“, „Pedro To Cleveland“, „The Ballad Of John Henry“, „Boomtown“) dargeboten, auf der Anderen schräge Harmonien mit teils verschroben schönen Melodien („Traineater“, „Where’d Mom Go?“, Midnight“). Alles so zusammengesetzt, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Songs nicht immer klar erkennbar sind und das Album holprig aber stetig voranschreitet. Die Stücke auf „Traineater“ stampfen maximal im Mid-Tempo daher und besitzen einen gewissen Industrial-Anstrich. Man könnte den Sound als eine Mischung aus Nine Inch Nails, Einstürzende Neubauten, Björk, Mum und TV On The Radio bezeichnen.

Das Album überfordert den Hörer direkt mit dem Opener „View From The Watertower“ durch plötzliche Noise-Attacken, scheppernde Drums, disharmonische Streicher, blechernde Zwischentöne, schreiende Gitarren und weinerlichen Gesang. Doch dieser expressive, düstere Anschlag auf das Nervenzentrum bleibt die extremste Erfahrung auf „Traineater“. Die nachfolgenden Songs sind da schon eine Ecke zugänglicher, besitzen aber stets einen melancholischen, dissonanten Charakter, getragen von den Eigenschaften des ersten Songs.

„Traineater“ ist ein Album, das Zeit braucht, da sich der Hörer erst langsam an das Werk herantastet. Wer dafür keine Zeit aufbringen möchte, dem sei von dieser Herausforderung abgeraten. Wer allerdings Lust hat, weit ab vom Mainstream neues Terrain zu erkunden, der sollte ein Ohr riskieren.

Anspieltipps:

  • Traineater
  • Pray
  • Midnight
  • Salina
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