Kaddisfly - Set Sail The Prairie - Cover
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Kaddisfly Set Sail The Prairie


  • Label: Hopeless Records
  • Laufzeit: 69 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Kaddisfly aus Oregon legen mit „Set Sail The Prairie“ ihr zweites regulär in Deutschland erhältliches Album vor. Der experimentierfreudige Fünfer spielt eine Mischung aus Art-Rock und Emo, mit eingängigen Refrains, ungewöhnlichen Arrangements und überraschenden Stilbrüchen. Auch die Songlängen sind nicht alltäglich und bewegen sich (wenn man die als Einleitung zu verstehenden „Summer Solstice und „Winter Solstice“ außer Acht lässt) zwischen dreieinhalb und elf Minuten. „Set Sail The Prairie“ ist als Konzeptalbum angelegt und nimmt den Hörer mit auf eine Weltreise, die sich über ein Jahr erstreckt.

Nach der schon angesprochenen Einleitung „Summer Solstice“ (man befindet sich irgendwo in der Wüste nähe des pazifischen Ozeans) startet die Reise erst so richtig mit „Campfire“, laut Booklet in Laredo, Mexiko. „Campfire“ rockt als Uptempo-Nummer mit hymnischem Refrain gleich ordentlich drauf los, doch ab der Hälfte des Songs werden plötzlich ruhigere Töne angeschlagen, eher der Refrain zum Ende wiederkehrt. Weiter geht es in Kingston, Jamaica mit „Waves“. Das Stück erinnert ziemlich an Incubus, kann aber mit treibenden Drums und einem legere angehauchtem Mittelpart überzeugen. Die letzten entspannten Gitarrenklänge am Ende von „Waves“ leiten „Harbor“ ein. Solider Emocore wird hier vorgetragen, garniert mit einer kurzen aber wunderschönen Pianoeinlage. Mit „Birds“ ist Kaddisfly eine sentimentale Nummer gelungen, die weder schmalzig klingt noch irgendwelche Klischees bedient.

Wuchtig kommt „Clouds“ daher: Christopher James Ruff strapaziert seine Stimmbänder, die Drums von Beau Kuther überschlagen sich fast, sein Bruder Kelsey und Aaron Tollefson zerschneiden mit ihren Gitarren Granit und Kile Brewer zupft wüst den knarzenden Bass. Die Nummer hat schon einen deftigen Hardcore-Einschlag und erinnert an Clarity Process. Mittlerweile in Russland angekommen ertönt „Empire“. Nicht besonders aufregend, denkt man sich erst, nach drei Minuten aber nimmt das Stück eine mit Klavier unterlegte Wendung und der Song bekommt eine ganz neue Facette, die ihm gut zu Gesicht steht.

Am „21. Dezember“ leitet „Winter Solstice“ die kühle Jahreszeit ein – dazu noch in Norwegen. Also wird der dicke Mantel aus dem Schrank gekramt und die Reise geht weiter. Und gleich bläst einem mit „Snowflakes“ ein kräftiger Schneesturm entgegen. Wabernder Bass, tiefe Gitarren und eine erdrückende Stimmung eröffnen den Titel. Doch sobald Ruffs Organ einsetzt mäßigt sich das Klima und im Verlauf des Acht-Minuten-Songs wechseln sich ständig laute und ruhige Passagen ab. Eine echte Achterbahn der Gefühle. „Via Rail“ vereint träumerische Gesangslinien und schwebende Soundflächen mit hektischem Indie-Rock, während „Silk Road“, eingeleitet mit melancholischem Piano, zu einer vielschichtigen Art-Rock-Symphonie ausufert. In China angekommen passiert dort leider etwas wenig, denn „Mercury“ wirkt im Vergleich zum restlichen Material etwas unspektakulär, passiert dort wenig Unvorhersehbares. Ähnlich ist es leider mit „Clockwork“. Doch zurück in Russland bringt „Forest“ „Set Sail The Prairie“ schließlich zu einem angemessenen Abschluss, auch wenn der Ideenreichtum zum Ende der Platte hin etwas nachließ.

„Set Sail The Prairie“ wartet mit extrem abwechslungsreichem Material auf, das kaum in eine Schublade zu stecken ist. Die Einen nennen es Art-Rock, die Anderen extravaganten und komplexen Emo. Eines ist sicher: Es ist verdammt gute Musik!

Anspieltipps:

  • Birds
  • Snowflakes
  • Via Rail
  • Silk Road
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