The Nightwatchman - One Man Revolution - Cover
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The Nightwatchman One Man Revolution


  • Label: Epic/SonyBMG
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Rolling Stone Magazine zählt Tom Morello zu den 30 besten Gitarristen aller Zeiten. Und in der Tat, was wäre die Rockwelt ohne Morellos geniale Riff-Hexereien und die abgefahrenen Soundideen bei seinen Bands Rage Against The Machine und Audioslave? Ganz sicher um eine Attraktion ärmer. Und wer weiß, wie lange man auf neue Eruptionen aus Morellos Gitarre warten muss. Denn mittlerweile liegt auch die zweite Band brach, nachdem Sänger Chris Cornell wegen künstlerischer Differenzen seinen Ausstieg bei Audioslave verkündete. Das wird zwar nicht die ganze Wahrheit gewesen sein, aber das gehört auch nicht hierher.

Auf jeden Fall hat Tom Morello nun endlich Zeit, sein seit ein paar Jahren gedeihendes Side Project The Nightwatchman nach vorne zu treiben. Darin erwacht in Tom Morello der engagierte Politaktivist („Axis of Justice“) zum Leben. Der Singer/Songwriter, der nur mit einer Akustikgitarre bewaffnet, in kalifornischen Cafés und auf politischen Veranstaltungen mit sparsamem Folkrock um die Gunst des Publikums buhlt. Da ist weit und breit kein Rockstargehabe in Sicht. Kein Banner mit Hinweisen auf zwei Grammy-Gewinne und über 30 Millionen verkaufte Tonträger. Daran muss man sich erst mal gewöhnen. Morello rein akustisch und dann auch noch als Sänger!

Wenigstens ist der „One Man Revolution“-Produzent ein alter Bekannter. Hier griff der Nightwatchman auf Brendan O’Brien (Pearl Jam, Audioslave, Bruce Springsteen, Stone Temple Pilots, Incubus) zurück, der als einer der vielseitigsten US-Produzenten gilt. Jedenfalls klingt eine O’Brien-Produktion immer gut, egal ob es sich um ein Hardrock- oder Folkrockalbum handelt. Und mit letzterem kommt man dem Nightwatchman-Sound schon sehr nahe. Denn „One Man Revolution“ ist akustischer Politrock in Reinform. Ein Mann, eine Gitarre/Mundharmonika, eine Stimme, eine klare Aussage.

Als „schwarzer Robin Hood des 21. Jahrhunderts“ prangert Morello die Missstände in den USA an und lässt kein Thema aus – nur dass in programmatischen Songs wie „Battle hymns“, „Maximum firepower“ oder „House gone up in flames“ keine E-Gitarren wüten und meterdicke Betonmauern einreißen. Hier greift Morello einfach härter in die Saiten seiner Akustischen und grollt mit dunkler Johnny-Cash-Stimme gegen Kirche, Staat und falsche Moral. Das muss der Hörer erst mal auf sich wirken lassen – und vergessen, dass hier der Rage-Against-The-Machine-Gitarrist am Werke ist und jeden Moment ein „Killing in the name of…“-Riffdonnerwetter aus den Boxen knallt. Dann funktioniert dieses Album überraschend gut. Vorausgesetzt natürlich, man geht als Hörer mit den politischen Ansichten des Herrn Morello konform. Anderenfalls hat man ein dickes Problem an der Backe.

Anspieltipps:

  • No one left
  • Battle hymns
  • Let freedom ring
  • The road I must travel
  • House gone up in flames
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