Feist - The Reminder - Cover
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Feist The Reminder


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

So lässt man sich den Frühling gefallen, ja so kann Sommer, Winter und Herbst auf einmal kommen.

Wer Leslie Feist von ihrem internationalen Erfolgsalbum „Let It Die“ (2004), das einige Auszeichnungen mit sich brachte und sie auch abseits ihrer kanadischen Heimat berühmt machte, kennt, wird sich wahrscheinlich über ihre lauten Anfänge als Rock-Musikerin wundern. Denn während besagtes Album mit Schöngeist und tänzelnden Einlagen dem Folk zugetan war, spielte Feist als Teenager in einer Punkband namens By Divine Right und gab sich wilden Gitarren-Eruptionen hin. Doch der Weg führte die natürliche, stets akribisch arbeitende Kanadierin über das 99´er Debüt „Monarch“ zum Indie-Kollektiv Broken Social Scene und Beiträgen auf Peaches- sowie Kings Of Convenience-Alben, die längst nicht ihre einzigen Kollaborationen bleiben sollten. Als traumhaftes Beispiel sei hier nur noch „Fightin´ Away The Tears“ mit Mocky genannt, das auf dessen Album „Navy Brown Blues“ (2006) zu finden ist und melancholischen Glanz zeitloser Großartigkeit versprüht.

Damit wären wir bereits beim lange ersehnten dritten Longplayer aus dem Hause Feist, der mit Mocky, Gonzales und Jamie Lidell musikalisch geschulte Freunde der Kanadierin als Instrumentalist, Sänger und Produzent unter seine Fittiche nimmt und dadurch nicht unwesentlich nochmals an Klasse zulegt. Ob es nun Feist mit ihrem vereinnahmenden Gesang voller dringlicher Zartheit, dem Gitarren- oder Piano-Klang ist, Mocky sich an Bass sowie Drums betätigt und Eirik Glambek Boe „How My Heart Behaves“ mit seinen Gesangparts wertvoll ergänzt: „The Reminder“ besticht in jeder Sekunde mit kristallklaren Arrangements, denen die Spielfreude stets anzumerken ist und lässt produktionstechnisch in bester LoFi-Manier jede Emotion offenbart, um Feist und ihrer lockeren, doch sonderbar perfektionistischen Herausforderung nah zu sein.

So lässt man sich den Frühling gefallen, ja so kann Sommer, Winter und Herbst auf einmal kommen. Die Welt da draußen spielt keine Rolle mehr, man möchte sich einschließen und bei „I Feel It All“ in Decken gehüllt vor sich hin schmachten, während der tröpfelnden Piano-Einsätze in „The Water“ oder „The Limit To Your Love“ träumen, bis einen die Nacht einsam zurücklässt und im Falle des spirituell pulsierenden, im mittleren Teil lärmend rockigen „Sealion“ von allen guten Geistern verlassen den Wohnzimmertisch als Tanzfläche umfunktionieren. Schließlich fügt sich aus dem erst noch Patchwork ähnelnden Klanggebilden aus filigraner, vielseitiger Instrumentierung und überaus versierter, ergreifender Stimmraffinesse ein Album, das auch nach einer Woche Dauerbeschallung nur noch wächst und nichts von seiner leisen, wohl überlegten, aber nie konstruierten Musikalität einbüßt. Ein weiterer Meilenstein im Hause Feist? Die nächsten Monate und Jahren werden es zeigen. Für den Moment „nur“ eines: Großartig!

Anspieltipps:

  • I Feel It All
  • Sealion
  • Past In Present
  • The Limit To Your Love
  • Honey Honey
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