Great Lake Swimmers - Ongiara - Cover
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Great Lake Swimmers Ongiara


  • Label: Nettwerk/SOULFOOD
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit dem dritten Album „Ongiara“ widmet sich die kanadische Band um Songschreiber Tony Dekker nach den Vorgängern „Great Lake Swimmers“ und „Bodies And Minds“ erneut dem introvertierten Country mit Hang zum aktuell allerorten geschätzten Folk-Pop. Die Stimme Tony Dekkers, das von Erik Arnesen gespielte Banjo und die Percussions von Colin Huebert wandeln auf zurückgezogenen Pfaden, die sich fast nur nebensächlich der Musik widmen und erst durch die Texte und die ruhige, balsamierende Gesamtatmosphäre zu ihrer eigentlichen Größe heranwachsen. Während die Great Lake Swimmers bereits als Supportband für Feist, Andrew Bird, The Album Leaf und Final Fantasy auf der Bühne standen, ist es doch ihr ureigener Entwurf von träumerischem Folk-Pop, bei dem trotz einer gewissen Beiläufigkeit das Banjo am meisten heraus sticht.

Die relativ naturbelassene Produktion macht sich gleich bei den ersten Klängen von „Your Rocky Spine“ bemerkbar und bewegt sich während der dreiviertel Stunde ausschließlich auf einer einerseits direkten Ebene, die andererseits doch ein wenig verhallt und schlafwandlerisch verklärt den Hörer umwickelt. Einigen dürften verständlicherweise einige Höhepunkte fehlen, die ein wenig mehr Spannung oder Besonderheit ins Spiel bringt. Doch vom Grundsatz lohnt sich eine innige Beschäftigung mit „Ongiara“, dessen Stärke allein in der Ruhe zu verorten ist. Leise Drummings und filigrane Banjo-Töne holen in der Kombination mit Dekkers einfühlsamen, fragilen Vocals nicht nur aus „Catcher Son“ eine warme Note heraus, die das ganze Album über vorherrscht und nach ausgiebigem Hörvergnügen auch auf den interessierten Hörer übergeht.

Man sollte jedoch mit einer nicht unwesentlichen Introvertiertheit rechnen und den Glanz der 10 Songs nicht gleich beim ersten Hördurchlauf suchen, denn diese Reise in abgelegene, menschenleere Gefilde braucht Zeit und nicht den offensichtlichen Hit oder gar abgehobene Selbstdarstellung. Wenn im großartigen „Changing Colours“ die Pedal-Steel-Gitarre die Blicke (bzw. Ohren) auf sich zieht, dann tut sie es im Dienst der kollektiven Selbstfindung, die auf „Ongiara“ groß geschrieben wird und trotz mancher Längen ein inniges Bildnis schemenhafter Naturbilder der herzlichen Sorte abliefert.

Anspieltipps:

  • Your Rocky Spine
  • Changing Colours
  • I Am Part Of A Large Family
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