The Chemical Brothers - Push The Button - Cover
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The Chemical Brothers Push The Button


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 56 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wen jemand seit zehn Jahren erfolgreich durch die Clubs Europas zieht und nebenher noch jede Menge Longplayer herausbringt, welche Topplatzierungen erreichen, sollte man sich durchaus mal durch den Kopf gehen lassen, ob diese Clubmusik wirklich nur sinnloses Beatgedröhne ist. Mit ihrem neuen Output „Push The Button“ wollen die Chemical Brothers wohl endgültig beweisen wie melodisch die von der Elektronik regierte Musikwelt sein kann. Für den melodiösen Unterton wurde der ein oder andere Gastsänger eingeladen, der den Songs dann den letzten Schliff verpassen soll (ähnlich wie Oasis’ Gallagher damals beim Nr. 1 Hit „Setting Sun“). Ob das nach eigentlich immer schwächeren Alben wirklich der Fall ist?

Das orientalisch angehauchte Beatmonster „Galvanize“ ist nicht einfach nur Vorreiter des Albums und Opener, nein es ist auch der Kernpunkt von „Push The Button“. Jedes Arrangement sitzt und trifft punktgenau den Nerv des Chemical Brother Fans. Für manch einen mag die sechsminütige Albumversion zu viel sein, aber für jene gibt es ja die Singleauskopplung (gerade mal halb so lang). Gastsänger Q-Tip macht einen hervorragenden Job und drückt dem Song den Stempel auf. Ein gelungener Auftakt, der von „The Boxer“ durchaus gut fortgesetzt wird. Die etwas düstere Atmosphäre weicht einer leichten und tanzbaren Nummer, welche an manchen Stellen schon fast zu zahm wirkt. Als Kontrast ist dieser Song aber recht erfrischend.

Das Siebenminutenpaket „Believe“ ist dann wieder für eingefleischte Clubgänger gedacht. Der Song orientiert sich wieder mehr beim Opener, lässt aber die eigene Note vermissen. Da hilft auch nicht die Hilfe des Sängers der Band Bloc Party. Mehr als eine Durchschnittsclubnummer ist das nicht. Das darauf folgende „Hold Tight London“ steht schon wieder als Kontrast zum Vorlied da (ob das dass System auf dem Album sein soll?). Wieder ist der Track satte sechs Minuten lang und besticht durch Eingängigkeit. Hier werden aber weiche Töne (untermalt von einer sanften Frauenstimme) angeschlagen, was gute drei Minuten gut geht, dann aber kräftig an Fahrt verliert und den Hörer nicht wirklich fesselt. Es fehlt der letzte Biss, der den Hörer zwingt sich den Song anzuhören und nicht einfach im Hintergrund laufen zu lassen. „Come Inside“ scheint endlich wieder eine Sandbank auf dem Weiten Meer des musikalischen Durchschnitts zu sein. Und behauptet sich auch als solche. Das typisch eingängige bleibt (wie bei den Brothers nicht anders zu erwarten) erhalten, aber die Instrumentalisierung und der Einsatz sowie die Anordnung der Arrangements lassen endlich mal Spielräume offen, auf denen man sich dann austoben darf.

Auch die zweite Hälfte will den Knoten einfach nicht so recht platzen lassen. „The Big Jump“ kommt sehr gefällig im Stil von „Come Inside“ daher, kann aber kaum die Faszination dieses Stückes nachahmen. „Left Right“ ist ein richtig eintöniges HipHop-Arrangement, das man getrost vom Album hätte streichen können. Wer glaubt das war es schon erlebt mit „Close Your Eyes“ einen richtig schön glatt gebügelten Pop-Song, der unbemerkt in den Top-20 unserer Charts mitmischen könnte. Nichts Besonderes, aber garantiert massentauglich. Am ende dieses Albums wird man wieder daran erinnert wie schön Musik der Chemical Brothers sein kann, wenn sie nur ein paar interessante Einflüsse in ihrer Clubmusik zulassen. „Shake Break Bounce“ und „Marvo Ging“ bestechen durch eigenen Charakter, den Einsatz geschickten Einsatz von Gitarre und viel Gefühl bei den Arrangements. „Surface To Air“ ist dann ein wirklich passender Abschluss. Da wurde ein festes Konzept zusammengetackert und dann erst mit Effekten unterlegt.

Letztendlich ist man doch ein bisschen enttäuscht denn es bleibt dem Hörer wirklich das Gefühl, dass die Grundgerüste der Songs grossteil schon standen und man sie dann nur noch ein paar Mal abgemischt hat. Eigentlich sehr schade, wenn man sich noch einmal das Highlight „Galvanize“ anhört. Die Chemical Brothers können definitiv mehr, aber es scheint ihren schwer zu fallen ihre Ideen zum Ausdruck zu bringen. Man kann nur auf Besserung hoffen und sich damit trösten, dass das Album solide ist. Solider Durchschnitt.

Anspieltipps:

  • Galvanize
  • Come Inside
  • Shake Break Bounce
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