Wilco - Summer Teeth - Cover
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Wilco Summer Teeth


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 54 Minuten
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9/10 Unsere Wertung
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Nachdem auf hohem Niveau stagnierenden „Beeing There“ haben Wilco sich diesmal viel mehr Zeit gelassen, um ein neues Album zu produzieren. Ob es ein Zeichen der Zeit ist, an welches sich Jeff Tweedy gerichtet hat, oder ob der Country ihn nicht mehr so sehr anspricht, bleibt wohl ein Geheimnis, aber auf der neuen LP „Summer Teeth“ finden sich nur noch wenige Countryelemente in den Liedern wieder. Das erinnert teilweise mehr an Blues und der Kern des ganzen bleibt Popmusik der Marke Wilco. Diese Platte klingt reifer und ausgewogener, als das an mancher Stelle halt doch „normale“ Vorgängeralbum. Die Melodien sind ausgefeilter und Leute die vorher etwas gegen den Country einzuwenden hatten, können das nicht als Argument zählen lassen.

Wie immer entstand „Summer Teeth“ als typisches Wilco-Album in einer beinahe schon chaotischen Produktion. Wochenlange Pause zwischen den Aufnahmen, viel Improvisation und experimentieren. Manches wurde monatelang einfach mal liegengelassen und später neu bearbeitet und fertig gestellt. Um die Arbeit am Album endgültig ins Rollen zu bringen, kaufte Tweedy sich und seiner Band ein Mellotron, die Urform des Samplers. Eigentlich unüblich und altmodisch. Unnötig kompliziert, aber wir haben es hier ja auch mit Wilco zu tun. Ob das Mellotron selbst bei der Qualität der Platte mitgeholfen hat, weiß man nicht, aber die neue Arbeitsweise hat die ganze Band mitgerissen.

Das Album beginnt mit „I Can’t Stand It“ ziemlich typisch für eine Wilco-Platte. Der Country ist nicht zu leugnen, der Refrain (wenn auch sehr kurz ausgefallen) bleibt einem im Ohr hängen und neben vielen untermalenden Geräuschen und Melodien steht ein eingängiges Klavier, welches noch viele schöne Auftritte auf „Summer Teeth hat“. „She’s A Jar“ drosselt das Tempo des Silberlings noch einmal und lässt den Hörer allein mit einer rhythmisch leicht versch(r)obenen, ruhigen Nummer allein. Der nächste Song „A Shot In The Arm“ ist das erste Highlight. Das ist ein Klang, wie man ihn bei Wilco so noch nicht kannte. Ein so lockerleichtes Klavier, welches aber doch auch immer wieder harte Akzente setzt und ein nahezu schwebender Tweedy, der uns durch eines DER Sommerlieder überhaupt trägt. Diese Melodie verzaubert schlichtweg. So muss sich Popmusik anhören. „We’re Just Friends“ setzt genau dort an. Ist zwar wieder eine sehr, sehr ruhige Nummer, doch das Klavier erinnert an die besten Songs der letzten 20 Jahre. Erst mit „Always In Love“ bemerkt man wieder, dass es sich hier immer noch um Wilco handelt. Nur mit Gitarre und Stimme bewaffnet, geht Jeff sanft auf den Hörer zu und zaubert (abermals) eine kleine Popperle daher. Ob es Pflichtgefühl war oder Sonstiges bleibt zu erraten, doch in „Nothing’s Ever Gonna Stand In My Way (Again)“ hat wieder Country- und Rock-Elemente. Höhepunkt ist ein Wecker, der mitten im Lied klingelt. Köstlich, erfrischend, Wilco. „Pieholden Suite“ ist eine Uptempo-Ballade der besonderen Art. Wer “We’re Just Friends” mochte wird dieses noch mehr von Samples getragene Lied lieben.

Nun sind wir beim persönlichen Highlight des Rezensenten angekommen. „How To Fight Loneliness“ ist der wahrscheinlich dichteste Song auf dem Album. Der traurige Gesang Tweedys ist beinahe allein und erzeugt eine unglaubliche, tiefsinnige Atmosphäre. Gegen Ende kommen wieder Geräusche und Samples zum Einsatz, die nichts an der wunderbaren Szenerie zerstören. „Via Chicago“ setzt dem klasse Kern des Albums die Krone auf. Ein zeitloser Song, in welchem verzerrte Gitarre in kraftvollem Piano seinen Meister findet (oder andersherum?) Im letzten Drittel des Albums darf der Country wieder aufleben („Elt“, „When You Wake Up Feeling Old“) und mit „My Darling“ wieder eine instrumental verschrobene Ballade. Das große Finale bilden der Song „Summer Teeth“, welcher sich in seiner Sommerlaune nicht vor „A Shot In The Arm“ verstecken muss und der große Bruder letztgenannten Liedes „In A Future Age“. Das Klavier ist zwar nicht mehr so leicht und das Lied viel langsamer, doch die üblichen „Störgeräusche“ fehlen nicht.

Wilco haben ein Album geschaffen, das Maßstäbe in Popkreisen setzt. Kein Song ist schwach und der Großteil kann von sich behaupten, das Prädikat „Hervorragend“ verdient zu haben. Wer gegen wirklich gute Popmusik nichts einzuwenden hat, kommt an diesem Album kaum vorbei. Einfach kompliziert und einfach genial ist alles, was sich zu „Summer Teeth“ sagen lässt. Sicher könnte man bestimmt den einen oder anderen Makel finden. Die Eingangsstücke oder manchmal unverständliche Geräusche innerhalb der Lieder, aber das sind Nuancen und wer sich davon stören lässt, dem ist der Sommer auch nicht mehr so recht zu retten. Für den Rest gilt der volle Genuss den dieser Silberling zu vermitteln vermag.

Anspieltipps:

  • A Shot In The Arm
  • Pieholden Suite
  • How To Fight Loneliness
  • Via Chicago
Dieser Artikel ging am um 02:31 Uhr online.
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