The John Butler Trio - Grand National - Cover
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The John Butler Trio Grand National


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Geschichten, in denen Menschen vorkommen, die sich vom Tellerwäscher zum Millionär hochgearbeitet haben, gibt es mehrere Dutzend, woran unter anderem die Erfindung des sogenannten World Wide Web nicht unmaßgeblich ihre Finger im Spiel hatte. Im Falle John Butler heißt die Erfolgsstory allerdings „vom Straßenmusikanten zum platinveredelten Musiker in Australien“, wo der 32jährige zu den Topverdienern der Branche zählt. Hierzulande dürfte es noch eine Weile dauern, bis jeder dem groovigen Stil-Mix aus bluesangehauchtem Rock, Country, Reggae und australischer Folklore erliegt, doch mit dem bereits vierten Album „Grand national“ legt Butler zumindest einen respektablen Grundstein, auf dem es sich aufbauen lässt.

Zusammen mit Shannon Birchall am Bass und Michael Barker hinter Schlagzeug und diversen perkussiven Instrumenten, setzt Butler, der selbst in die Saiten seiner Gitarre greift und das Mikro schwingt, gleich mit dem Opener „Better than“ die Richtung der Platte fest. Knackiger Rock vereint sich mit folkloristischen Elementen aus seiner Heimat und einem unwiderstehlichen Groove. Das nachfolgende „Daniella“ hebt sich mit dem prädestinierten Ohrwurmrefrain „Daniella be my Cinderella“ auf die nächste Stufe der Groovolution, während „Funky tonight“ durch eine explosive Rhythmusabteilung die Boxen zum Rocken bringt. Erst „Caroline“ geht gesetzter ans Werk, was durch den schwermütigen Text über ein Mädchen, das, nachdem sie als kleines Kind vom Vater missbraucht wurde, ihr zuhause verlassen und bis zu ihrem viel zu frühen Tod als Prostituierte ihr Dasein gefristet hat, verstärkt wird.

Mit derartig aussagekräftigen Lyrics, die durch das umsichtige, größtenteils politische Bewusstsein von Butler ihre Entstehung finden, wird der Hörer auch auf den restlichen Tracks wie „Gov did nothin´“ oder „Devil running“ konfrontiert. Wo ersterer einen wütenden Diskurs über die Unfähigkeit von Präsident Bush während des Hurrikans Katrina darstellt und die acht Minuten Laufzeit mit ekstatischem Schwung und Elan abgehakt werden als wären es drei gewesen, so behandelt letzterer die furchtsam gewordene Welt nach 9/11 in einer erdig-rockigen Art, die in den ruhigen Titeln „Losing you“ (Butler singt einen gefühlvollen Song über seine Frau und wird dabei ausschließlich durch seine Gitarre begleitet) und „Nowhere man“ ihren Gegenpol finden.

„Fire in the sky“ dreht anschließend ein letztes Mal auf, kann aber mit den Stücken der starken ersten Hälfte nicht mithalten und präsentiert sich als ganz anständiger Rocker, der von „Gonna take it“ abgelöst wird, das allerdings als Abschluss gern fulminanter ausfallen hätte können. Über „Grand national“ meint Butler selbst: „Wir bewegen uns in Richtung einer universellen Musik. Das ganze Drumherum, der Blick, den ich auf die Welt habe, die Art und Weise wie ich mich selbst und die Band sehe, all das ist weltlicher geworden. Nach etwa zwölf Jahren ist mein Blick offener geworden, und dementsprechend auch die Paletten der Sounds, der Stile und des Songwritings. Das ist immer die Richtung gewesen, in die die Band gehen sollte: sich öffnen.“ Den Ohren sollte sich das groovelastige und rhythmusbetonte Monster namens „Grand national“ keinesfalls verschließen.

Anspieltipps:

  • Daniella
  • Devil Running
  • Funky Tonight
  • Used To Get High
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