Tess Wiley - Superfast Rock´N´Roll Played Slow - Cover
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Tess Wiley Superfast Rock´N´Roll Played Slow


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Abwechslungsreiches, exzellent auf eine wandlungsfähige Stimme abgestimmtes Songwriting.

Einst an der Gitarre mitverantwortlich dafür, dass „Sixpence None The Richer“ mit dem Titel „Kiss Me“ die vollkommene Hintergrundmusik für präpubertäre Vereinigungsgelüste lieferten, veröffentlicht Tess Wiley heute melancholischen Folk für Erwachsene. Sämtliche Titel für ihr aktuelles Album hat die Mutter eines einjährigen Sohnes irgendwo zwischen Wickeltisch und Waschmaschine in ihrer Wohnung im hessischen Gießen geschrieben und eingespielt. Und auch eine solche Umgebung kann unglaublich inspirierend sein: Da werden mangels adäquater Ausstattung einfach Schlüsselbund und Kaffeetasse zur Snare-Drum umgedeutet und ein Weinglas zum Glockenspiel. Hausmusik in Vollendung also, die sich bewegt irgendwo zwischen einer ausnahmsweise mal nicht depressiven Jolie Holland, Shiela Nicholls und Aimee Mann.

Ob Tess Wiley in „Slow“ einfach nur die Instrumente sprechen lässt, in „Crying For You“ mit zerbrechlicher Stimme einer verlorenen Liebe nachtrauert oder in „Same Old Way Out“ bekümmert feststellt: „This is the Sound of a girl who’s given up” – stets tönt eine Authentizität durch, die nach großer weiter Welt und tiefen Gefühlen klingt – und so gar nicht nach Mittelhessen. Und auch das besondere Etwas hat dieses Album: „Raise Your Hand“ ruft in mitreißender Intensität fröhlich aber bestimmt zum Medienboykott auf und wäre in einer klügeren Welt wohl so etwas wie ein Hit geworden. Einen charmanten und versöhnlichen Rausschmeißer stellt am Ende das swingende „Anette“ dar: „Deshalb nennt er dich Annette obwohl Du Silke heißt/ weil er so gern ne Freundin hätte, die Annette heißt“ trägt Tess Wiley hier in zauberhaften „Amerikadeutsch“ vor und bricht damit versöhnlich die Ernsthaftigkeit der vorangegangen Titel ein wenig auf.

So gelingt ihr durch ein abwechslungsreiches, exzellent auf ihre wandlungsfähige Stimme abgestimmtes Songwriting und die verspielte Begleitung anhand unterschiedlichster Klangerzeuger ein wahrlich erstaunliches Gesamtkunstwerk voller leiser Schönheiten. Einzuordnen in eine eigene Kategorie, die da heißt „Superfast Rock´n´Roll Played Slow“!

Anspieltipps:

  • Halfway Through
  • Raise Your Hand
  • Messed Up Everywhere Blues
  • Anette
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