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Boundzound Boundzound


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 41 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Berliner Reagge/Dancehall-Combo Seeed braucht man eigentlich gar nicht mehr groß vorzustellen. Jeder der in den letzten Monaten in irgendeiner partytauglichen Umgebung war, dürfte zumindest einmal den grandiosen Hüftschwinger „Ding“ gehört und sich möglicherweise dabei ertappt haben die Zeile „Oh oh oh, du hübsches Ding, ich versteck´ meinen Ehering“ lautstark mitzugrölen. Das elfköpfige Kollektiv hat es mit ihrem letzten Output „Next!“ (10/2005) einfach geschafft zwischen pumpenden Dancehall-Beats und schweißtreibender Live-Performance zu agieren und gleichermaßen alte als auch neue Fans zu überzeugen bzw. hinzuzugewinnen. Von den drei Hauptakteuren und Schlüsselfiguren bei Seeed, namens Enuff (Pierre Baigorry), Eased (Frank A. Dellé) und Ear (Demba Nabé), die für den Gesang und den direkten Kontakt zum Publikum bei den energischen Shows der Berliner zuständig sind, versucht sich nun letzterer ein eigenes Standbein abseits vom mobilen Reggae-Sondereinsatzkommando aufzubauen.

Unter dem Namen Boundzound will Demba Nabé seinen Dank aussprechen, wie er nach der sehr kurzen Einleitung in „Everyday“ gleich zu Beginn erklärt. Im gleichen Zug fällt auf, dass sich der Sound des Seeed-Sängers weg von Reggae und Dancehall bewegt und sich mit kleinen Details und verspielten Klängen im großflächigen Hip Hop-Territorium ansiedeln will. Doch an die vielfältigen Ideen, den messerscharfen Groove und den subtilen Humor, der seine Stammband ausmacht, kommt Demba in keiner Sekunde heran. Am ehesten schließen die flotteren Songs wie „Dance on“ oder „Louder“ (übrigens die erste Single-Auskoppelung) an den bekannten, musikalischen Output der Berliner an, jedoch ohne ihn zu übertrumpfen.

Würde das nicht schon reichen um dem Erstling von Nabé die kalte Schulter zu zeigen, so erschwert das Plattenlabel dem ehrenwerten Rezensenten die Wertung zusätzlich, in dem nur eine gekürzte Fassung mit gerade einmal 27 Minuten verschickt wurde, bei der zwar die Tracks ineinander laufen, aber aufgrund ihrer Kürze für nicht mehr als Stückwerk gehalten werden können. Ein Hördurchgang der fertigen Platte, die immerhin fast das Doppelte an Laufzeit aufweist, kann den Gesamteindruck jedoch nicht ins Positive kehren, da Boundzound die Stücke lediglich mit ständigem Wiederholen des Refrains statt mit sinnvoller Abwechslung in die Länge zieht. Dadurch wirkt das Debüt des Berliners zwar nicht mehr wie das typische Soloalbum eines Mitglieds einer berühmten Band, das gerade Geld braucht und schnell einen Longplayer zusammengeschustert hat, aber ausreichend interessante Ansätze sind genauso wenig auszumachen.

Anspieltipps:

  • Dance On
  • Wellnessclub
  • Marathon Man
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