Sound:Scaper - Leicht - Cover
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Sound:Scaper Leicht


  • Label: Scaper:Rec/SPV
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Soundscape”. So nennt man eine bestimmte Musikrichtung, die keinen "klassischen" Bezugspunkt in der Melodie besitzt, und/oder Geräusch-Elemente aus der Umwelt (Regen, Wind, …) enthält, die man mittels herkömmlicher Noten nicht ausdrücken kann. Diese ergeben dennoch (oder gerade deshalb) ein faszinierendes Klangbild. Es ist daher kein Zufall, dass sich die Band den Namen „Sound:Scaper“ zugelegt hat, denn genauso lässt sich dieses Album beschreiben. Die CD hat kein übliches Schema und lässt sich auch nur schwer in ein Genre einordnen. Man findet einen bunten Mix verschiedenster Richtungen wie Pop, HipHop oder Reggae auf dem Rohling, doch dazu gleich mehr.

Widmet man sich den Leuten hinter „Sound:Scaper“, so stößt man vor allem auf einen Namen: Martin Kilger. Der Name dürfte vor allem für Fans von „Xavier Naidoo“ oder „Dorfdisko“ ein Begriff sein, denn sowohl bei ihnen, als auch bei den „Söhnen Mannheims“, war Kilger nicht nur Produzent, sondern auch als Director für Videos verantwortlich, welches ihm auch schon eine „Komet“-Nominierung bescherte. Diese Einflüsse merkt man dem Album stark an, da nicht nur Kilgers Schützlinge, sondern auch er selbst sehr persönliche Songs produzieren. So findet man auf dem Album eine bunte Auswahl an Themen wie das Fremdgehen, die Liebe und Sex, aber auch gute Laune Songs sind zahlreich vertreten, so auch der erste Song „Nicht umdrehn!“.

Dieser eröffnet mit seinem frechen, poppigen Groove das Album schon mal sehr gut. Unterstützt von „Metaphysics“, der u.a. schon mit Busta Rhymes zusammen gearbeitet hat, versprüht der Song unglaublich gute Laune, passt ideal zu einem schönen Sommertag und macht Lust auf mehr. Im folgenden, albumbetitelten Song wird dann aber eine komplett andere Richtung eingeschlagen. Das fast schon balladenartige Stück, welches zu Beginn nur mit einem Klavier unterlegt wird, lädt ein auf eine wunderbare, klangliche Reise und lässt den Hörer in die Welt von „Sound:Scaper“ entfliegen, bevor gegen Ende das ganze Stück wieder erneut an Tempo und Klangvolumen zunimmt. Nach dem etwas unspektakulären Song „Blutjung“ folgt „Ich hab’s getan“, wo Martin Kilger sich fürs Fremdgehen zu entschuldigen versucht. Hervorgehoben wird der Song durch die gesanglich überzeugende Leistung von Gastsängerin Mirta Junco. Diese steuert auch beim nächsten Titel „Manian“ spanische Vocals hinzu und unterstützt so Kilgers Sprechgesang. Was folgt ist ein rein instrumentales Stück, untermalt von Piano, Gewitter und Regen, welches den Hörer, in sich gehen und das bisher gehörte noch einmal Revue passieren lässt; sehr starkes und gewagtes Stück.

Die folgenden zwei Tracks „Fliegen“ und „Schrein (Reprise)“ können trotz interessanter Lyrics und einem guten Gesang nicht ganz überzeugen und ziehen etwas sperrig am Hörer vorbei. Mit „Stailas“ wartet dann aber eines der Highlights auf den Hörer. Unterstützt von „Junior Kigwa“ und untermalt von wunderschönem Reggae geben Kilger und Kigwa hier einen Track zum Besten, der seinesgleichen sucht. Wunderbare Rhythmen, gekonnter Gesang und eine aussagekräftige Message sind hier gekonnt vereint. Dies trifft übrigens auch auf den Folgetrack „Nimm es“ zu, der ebenfalls wieder mit interessanten Lyrics und einem schönen Klangteppich aufwartet. Auch in „Du bist eingeladen“ kann Kilger völlig überzeugen. Vor allem der Rap von „Metaphysics“, untermalt von sanften Pianoklängen, lädt zum Nachdenken ein. „Der letzte Song“ erinnert vom Aufbau her an den ersten Song „Nicht umdrehn!“ und bietet, untermalt von Trompetenklängen, einen fast schon unverschämt lockeren, frechen Groove, dessen Refrain sofort zum mittanzen animiert. Ein sehr schöner Abschluss für das Album, der vor allem dann richtig gut funktioniert, wenn man sich gerade die Sonne auf den Kopf scheinen lässt.

Als Martin Kilger einmal nach seinem Lieblingsgenre gefragt wurde, hat er gesagt: „Mir ist der Name einer Musikrichtung eigentlich egal. Wichtig ist mir, dass es irgendwie groovt.“ Dies spiegelt sich auch in diesem Album wieder. Hier geben sich Reggae, Pop und kleinere HipHop-Einflüsse die Hand und machen das Album zu einem bunten Mix. Dadurch benötigt das Album allerdings etwas Einhörzeit. Leider will aber auch dann der Funke bei einigen Songs nicht ganz auf den Hörer überspringen und gehen daher neben Perlen wie „Nicht umdrehn!“, „Leicht“ und „Stailas“ völlig unter. Allerdings sind dies nur einige wenige Songs auf dem Album und so bleibt am Ende ein gewöhnungsbedürftiges, aber nach längerem einhören dennoch überzeugendes Erstlingswerk. Wer allerdings keine Zeit für dieses Album mitbringt und sich nicht reinhört, der ist hier definitiv überfordert.

Anspieltipps:

  • Nicht umdrehn!
  • Stailas
  • Der letzte Song
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