Black Rebel Motorcycle Club - Baby 81 - Cover
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Black Rebel Motorcycle Club Baby 81


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Baby 81“ holt sich den verdienten Ritterschlag ab. Denn so wandlungsfähig sind BRMC einfach unschlagbar.

Kaum war der abtrünnige Schlagzeuger wieder da, wurde der frisch aus der Taufe gehobene Sound des Albums ohne ihn wieder beerdigt. Doch zurück zu ihren eigenen musikalischen Wurzeln bewegen sich die wiedervereinigten Jungs des Black Rebel Motorcycle Club auf ihrer inzwischen vierten Platte auch nicht. Weiterentwicklung ist das Stichwort.

Wir erinnern uns: Im Sommer 2004 verließ Nick Jago den rebellischen Motorradfahrer-Club um die beiden Gründer Peter Hayes (Gesang, Gitarre) und Robert Levon Been (Bass, Gesang, Keyboards), die das Album „Howl“ (08/2005) daraufhin alleine einspielten und mal eben den derben Garagenrock der vorherigen Alben gegen akustische Americana-Klänge eintauschten. Wir haben nicht schlecht gestaunt und der neue Black-Rebel-Motorcycle-Club-Vertragspartner – PIAS Recordings – wohl auch. So verwundert es nicht, dass die Band mit ihrer neuen Platte schon wieder die Plattenfirma gewechselt hat.

Überraschend ist hingegen, dass „Baby 81“ (benannt nach einem Säugling, um den sich neun Mütter nach dem Tsunami von 2004 gestritten hatten) bei einem Major-Label (Universal) erscheint. Schließlich waren die BRMC-Verkaufszahlen stetig rückläufig. Aber vielleicht haben die Drei einfach ein paar ihrer neuen Songs wie „Not what you wanted“ (grandiose Melodie!) und „All you do is talk“ (überragende Atmosphäre!) als Bewerbung eingeschickt. Und der A&R-Mensch, der die enorme Qualität dieser Lieder nicht auf Anhieb erkennt, muss Gott sei Dank erst noch geboren werden.

Und damit sind wir beim Thema. Der akustische Sound des Vorgängers weicht schon zu Beginn von „Baby 81“ einem staubtrockenem Bekenntnis zum Rock’n’Roll, das mit gniedelnder Fuzzgitarre ganz dicht am Stoner-Rock vorbeischrammt („Took out a loan“). Mindestens genauso schön dröhnt, bollert und schlenkert „Berlin“ aus den Boxen, während „Weapon of choice“ noch eine Spur wilder und ungezügelter mit viel Tempo nach vorne prescht. Willkommen zurück in der Indie-Garage, der auch die Dicke-Hose-Produktion eines Majors keinen Schaden zufügen kann. Ganz im Gegenteil. Was die Burschen in Songs wie „Windows“ treiben, muss einfach voluminös und breit klingen. Hauptsache die Attitüde geht dabei nicht verloren. Doch keine Sorge! Den Mainstream umschiffen Black Rebel Motorcycle Club so elegant, dass niemand merkt, wie eingängig und straight dieses Album eigentlich ist.

Kurz vor Schluss baut das Trio mit „American X“ noch einen ausufernden 9-Minuten-Song-Monolithen ein, wie ihn auch The Doors immer wieder auf ihren Alben hatten. Und auch dieses Experiment funktioniert ganz prächtig. Damit holt sich „Baby 81“ den verdienten Ritterschlag ab. Denn so wandlungsfähig sind BRMC einfach unschlagbar.

Anspieltipps:

  • Berlin
  • American X
  • All you do is talk
  • Lien on your dreams
  • Not want you wanted
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