The Rakes - Capture Release - Cover
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The Rakes Capture Release


  • Label: V2/Rough Trade
  • Laufzeit: 34 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Selten traf die Floskel „zur falschen Zeit am falschen Ort“ so zu wie im Fall von The Rakes. Denn zu einer Zeit, in der Maximo Park, Bloc Party und Konsorten ihre Erfolge nicht nur in der Indie-Szene ausleben konnten und den großen Wurf schafften, schien sich für „Capture Release“ kaum jemand zu interessieren. The Rakes wurden, zumindest außerhalb Englands, von der Welle der neuen britischen Bands schlicht weggespült.

Das ist beim Hören des Albums nur schwer nachzuvollziehen. The Rakes halten sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf, vom ersten Moment des Albums gehen sie „in medias res“. Der erste Track, „Strasbourg“, gleichzeitig Singleauskopplung, ist ein unglaublich mitreißender Tanzflächenfüller. Zugegeben, geographisch haben The Rakes Nachholbedarf, da Strasbourg 1983 ganz sicher nicht in Westdeutschland lag, wie der Songtext behauptet. Schwamm drüber, dafür wird – mitten im Song – auf deutsch bis vier gezählt, wann hat man das schon einmal in einem britischen Track gehört?

Genauso energiegeladen setzt sich das Album fort. „22 Grand Job“ erzählt die Geschichte, wie man sich mit einem mäßig bezahlten – 22 Grand eben – in London durchschlägt. 1:46 Minuten brauchen The Rakes dafür, unterstützt von einem treibenden Beat. Überhaupt halten sich The Rakes nicht mit groß geschwungenen Reden auf. Ihr eigenes Leben findet sich in ihren Texten wieder: „I just woke up/in someone else’s bed/she was overweight/what did I do last night?“ („The Guilt“). Und das scheint zu einem nicht unerheblichen Teil aus „Work, Work, Work (Pub, Club, Sleep)“ zu bestehen, dem treibenden Schlussong des Albums. Hier, wie auch in einigen anderen Stücken („Terror!“), hört man den elektronischen Teil ihrer Einflüsse heraus, die Sänger Alan Donohoe, Gitarrist Matthew Swinherton, Drummer Lasse Petersen und Bassist Jamie Hornsmith auf ihrer Website offenlegen: Alles, was ihnen gefällt, wird in ihrer Musik wiedergegeben.

In Großbritannien schätzt nicht nur das Publikum The Rakes, deren Bandname sich aus einem bandinternen Witz ableitet: Das Quartett stellte fest, sie seien alle „slim as rakes“ – dünn wie Harken. Daraus wurden The Rakes, die mittlerweile als Support für Größen wie Franz Ferdinand, The Buzzcocks und, wie passend, Bloc Party gespielt haben. Anfang 2007 soll das zweite Album erscheinen. Man kann nur hoffen, dass die Aufmerksamkeit dann ein wenig höher liegt. Und das sie ihren Fans eventuell längeres Vergnügen gönnen als die 34:20 Minuten von „Capture Release“. „Walk home/come down/retreat/to sleep“ („Retreat“).

Anspieltipps:

  • Strasbourg
  • 22 Grand Job
  • Violent
  • Work, Work, Work (Pub, Club, Sleep)
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