Guns N´ Roses - Use Your Illusion I - Cover
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Guns N´ Roses Use Your Illusion I


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 76 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Im September 1991 erschien nach unzähligen Studiotagen und acht Monaten Mixen das megalomanische Meisterwerk „Use Your Illusions“ von Guns N’ Roses zeitgleich auf zwei CDs. Dies mag in Zeiten von „Chinese Democracy“ nicht viel erscheinen, war aber damals schon etwas Besonderes. Zu vielerlei Überraschung erwies sich das Album nicht nur als gigantische Rock’n’Roll-Seifenblase, sondern konnte mit jeder Menge geniale Songs aufbieten.

Seit dem Debüt hatte sich personell einiges getan, statt Drogennudel Steven Adler bediente Ex-„The Cult“-Drummer Matt Sorum das Schlagzeug und Dizzy Reed stieg als fester Keyboarder ein, was sich auch auf den Sound auswirkte. So ist der Klang nicht mehr so rau wie auf „Appetite For Destruction“, viele neue, insbesondere bluesige Elemente fanden ihren Einzug. Auf dem ersten Teil des Doppelalbums führte dies auf der einen Seite zu (im positiven Sinne) überproduzierten Monumentalepen wie „November Rain“, dass in seinen neun Minuten zu keiner Sekunde langweilt. Berühmtheit hat auch vor allem die Coda erlangt, die Gitarrist Slashs Melodie geprägt ist. Andererseits gibt es auch Songs wie „Don’t Cry“, eine einfach nur klebrige kitschige Ballade.

Trotz aller Balladen waren Guns N’ Roses, allen voran Shouter Axl Rose, vor allem eines: Gefährlich! Maschinengewehrartig keift Axl beim Opener „Right Next Door To Hell“ die Silben ins Mikro, strapaziert entgegen jegliche Vernunft bei „Perfect Crime“ seine Stimmbänder oder stellt in „Back Off Bitch“ ein äußerst fragwürdiges Frauenbild auf. Neben den Soli von Slash sollte natürlich auch die Leistung von Rhythmusgitarrist Izzy Stradlin nicht unerwähnt bleiben. Zusammen mit Basser Duff McKagan stellte er das Fundament für den typischen Gunnerssound dar und steuerte auch einiges an Songwriting bei. Bei dem coolen Bluesrocker „Dust N’ Bones“ durfte er sogar mal ans Mikro treten.

Zu weiteren Highlights des Albums zählt „Don’t Damn Me“, bei dem Axl seine Stimme überaus variabel einsetzt. Bei „Bad Obsession“ frönen Guns N’ Roses wieder dem Blues, komplett mit Mundharmonika und Slidegitarre. Der letzte Track „Coma“ ist auch gleichzeitig der anspruchsvollste des Albums. In über zehn Minuten erschafft die Band einen bizarren Albtraum von einem Song.

Bei so vielen Highlights können nicht alle Lieder mithalten. Die Coverversion des alten Paul McCartney-Hits „Live And Let Die“ ist zwar ganz nett, aber viel geändert hat sich im Vergleich zum Original nicht. Bei „You Ain’t The First“ scheint wohl die ganze Band volltrunken ins Studio gegangen zu sein und „The Garden“ kann auch der Gastauftritt von Alice Cooper nicht mehr retten. Trotz dessen handelt es sich bei „Use Your Illusion I“ um den besseren und auch rockigeren Teil des Doppelalbums und sicher auch um eines der besten Rockalben der Neunziger. Eigentlich schade, dass es den Anfang vom Ende der klassischen Guns N’ Roses markierte.

Anspieltipps:

  • Right Next Door To Hell
  • November Rain
  • Don’t Damn Me
  • Coma
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