Malajube - Trompe L´Oeil - Cover
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Malajube Trompe L´Oeil


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ganze 15 Monate hat es gedauert bis das zweite Werk der aufstrebenden, kanadischen Truppe Malajube das europäische Festland erreicht hat. Viele hysterische Vorschusslorbeeren über ekstatische Konzerte und hervorragende Album-Kompositionen rund um den sympathischen Fünfer, der sich aus Julien Mineau (Gesang, Gitarre), Renaud Bastien (Gitarre, Keyboard), Mathieu Cournoyer (Bass), Francis Mineau (Schlagzeug) und Thomas Augustin (Keyboard) zusammensetzt, konnte man bis zum Release von „Trompe l´oeil“ vernehmen. Ein Umstand, den eine Band, die aus dem kanadischen Montreal stammt, dieser Tage wohl über sich ergehen lassen muss. Vorreiter aus dem nordamerikanischen Staat wie Arcade Fire, Broken Social Scene oder Metric werden ja schließlich pauschal über den grünen Klee gelobt, noch bevor der Ansatz eines neuen Albums entstanden ist.

Doch schließlich ist der Hype insbesondere um den „Pop Montreal“ nicht ganz ungerechtfertigt und auch Malajube ködern den Hörer mit ganz eigenem Charme und extrovertierter Arrangierwut, die nicht selten ein 3-Minutenstück in vier verschiedene Richtungen ausbrechen lässt. Bestes Beispiel ist „La monogamie“, das ganz schamlos und friedlich mit dem zaghaften Zupfen einer Akustikgitarre beginnt um sich kurz darauf an den Rand des musikalischen Wahnsinns zu begeben und einige stimmliche Ausbrüche später den Hörer zu einer irren Wall of sound begleitet, bei der derjenige nicht weiß ob er eher auf die Musik oder den Gesang achten soll. Nachdem beides letztendlich abrupt endet und in ein kurzes, spaciges Outro mündet, steht auch schon der nächste Track namens „Ton plat favori“ an, der wiederum mit flott swingenden Elementen durchzogen wird, bis der verstärkte Einsatz elektronischer Versatzstücke in „La russe“ eine komplett andere Richtung einschlägt.

Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass Malajube sich keineswegs auf einen Stil festlegen können bzw. wollen, wodurch sie zwischenzeitlich keine Scheu empfinden so richtig rockig auszureißen („Le crabe“), zappelndes Liedgut zu präsentieren („Fille a plumes“) oder in einem Stück mal psychedelisch und in der nächsten Sekunde verspielt-erdig ans Werk zu gehen („Casse-cou“). Eine melancholische Grundstimmung und herbstliche Farben prägen dafür „Étienne d´aout“ und „St-fortunat“, wobei letzteres eine Spur verträumter aus den Boxen perlt und ungehalten in „La fin“ reinstolpert, welches nach 8 Minuten Stille einen Hidden Track präsentiert, der allem Anschein nach in einem Take aufgenommen und unbearbeitet auf „Trompe l´oeil“ gepackt wurde.

„Wie könnten wir nach diesem Album bei City Slang jemals wieder eine Platte veröffentlichen, die weniger ist. Die nur Durchschnitt ist? Vielleicht sollten wir jetzt einfach schnell Schluss machen“ posaunt das Berliner Indie-Label im Zuge der Malajube-Veröffentlichung. So weit aus dem Fenster wollen wir uns vorerst mal nicht lehnen, aber darauf hinweisen, dass die komplett in Französisch gehaltenen Texte der Kanadier der Genialität der Songs keinesfalls im Wege stehen, sondern dazu einladen sich mehr mit dieser Sprache zu beschäftigen. Und was heißt eigentlich Malajube?

Anspieltipps:

  • Pate Filo
  • Casse-Cou
  • La Monogamie
  • Ton Plat Favori
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