Hobotalk - Homesick - Cover
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Hobotalk Homesick


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Homesick For Nowhere“ ist der endgültige Beweis dafür, dass die überschwänglichen Lobeshymnen für Hobotalks Debütalbum „Beauty In Madness“ (wurde für den Mercury Prize vorgeschlagen) und den Nachfolger „Notes On Sunset“ nicht von ungefähr kamen. Sogar die in kulturellkritischer Hinsicht zumeist höchst anspruchsvolle FAZ schrieb über das Werk: „Ein himmlisches Stück Musik, das nur alle paar Jahre auf die Erde fällt.“

Das dritte Studioalbum des schottischen Quartetts um Singer und Songwriter Marc Pilley ist ein mitreißender und im Vergleich mit seinen Vorgängern diesmal noch opulenter und folkiger ausufernder Ausflug in eine rhythmische und akustische Klangwelt, die wärmer und entspannender nicht sein könnte. In dieser kleinen Welt dreht sich alles um die Liebe, das Leben, das zu Boden stürzen, und das sofortige Wiederaufstehen. Hier regieren Country-Elemente, Anleihen von Americana-Folk, sowie mit eindringlich instrumentaler Kraft vorgetragene Facetten von Blues und Soul. Pilleys beruhigend tröstende Stimme und eine scheinbar unscheinbar wirkende Melancholie durchströmt völlig unaufgeregt die zwölf in bestechender Songwriter-Manier vorgetragenen Songs auf „Homesick For Nowhere“ – immer wieder durch die kurzen, sich durch das Album ziehenden und improvisiert erscheinenden, kurzen Soundtüfteleien namens „Homesick Pt.1-5“ durchbrochen, die zusammengefasst als eigenständige Ode an das „Heimweh nach Nirgendwo“ stehen können.

Die pulsierende Eindringlichkeit von Pilleys Kompositionen ist bei jedem einzelnen Ton der Platte spürbar und hinterlässt beim Hörer innige Spuren der Begeisterung. Sei es auf dem überragenden „Don’t Say Goodbye“ oder dem unglaublich fesselnden und wunderschönen „Today“. Die Musik spricht für sich. Zieht in ihren Bann und lässt dann auch fast zu schnell wieder los. „Settin Fire To Flame“ will man umarmen und gar nicht mehr loslassen. Zu traurig und wehmütig klingt dieser Song und scheint ohne unseren Schutz hilflos seinem Schicksal ausgeliefert. Die bezaubernde Melodie von „Fallin For You Again“ lässt die Ohren erröten und spätestens wenn die Streicher einsetzen und Pilley „Didn’t We Say Never Again“ ins Mikrofon säuselt, weiß man was man allzu lange vermisst hatte. Nämlich genau diese intime Atmosphäre, die zu keiner Zeit peinlich oder durchstrukturiert wirkt.

Hobotalk kreieren einen eigenständigen und fesselnden Sound. Was beim ersten Hören noch relativ unaufdringlich wirkt, ist beim nächsten Durchlauf schon wieder gewachsen und völlig anders zu interpretieren. Pilley kann eben nur ausnahmslos gute Songs schreiben. Das freudige „Doesn’t Life Goes On“ hüpft poppig umher und „Me Myself“ wird luftig leicht von der Akustikklampfe bis hin zum besinnlichen „Piano-Fade Out“ des Stückes begleitet. Auch das akustische und legere groovende „These Times Sure Could Break Your Heart“, sowie die fast schon experimentelle und schräge zitternde Bluesnummer „People Keep On“ überzeugen durch eine Leichtigkeit die gleichermaßen berührt und freudig stimmt.

„Homesick For Nowhere“ vermittelt ein Gefühl, das einen vom ersten Augenblick an in seinen Bann zieht. Man möchte sich darin vergraben und sich von den unglaublich eingängigen Melodien tragen lassen. Egal ob alleine oder zu zweit. Man fühlt sich hier geborgen und verstanden. Krank vor Heimweh wird man erst dann, wenn die letzten Töne eines berauschenden Albums verklungen sind und man sich instinktiv auf eine erneute Reise durch die Hobotalksche Klangwelt begibt.

Anspieltipps:

  • These Times Sure Could Break Your Heart
  • Fallin For You Again
  • Today
  • Don’t Say Goodbye
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