Johnny Liebling - Nur Nicht Nach Haus - Cover
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Johnny Liebling Nur Nicht Nach Haus


  • Label: Boutique/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 36 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Fe, Fi, Fo Famm/ich riech das Blut von einem Mann/ Lebendig oder tot/ich mahle seine Knochen/und backe mir Brot“. Diese Zeilen, untermalt von einer träge und schief heulenden Orgel, eröffnen das neue Werk von Johnny Liebling. Der nächste Mord geschieht nur wenige Minuten später: „Für gutes Geld/mach ich dich tot“ grummelt es in „Der Mond scheint Golden“ bedrohlich aus den Lautsprechern. Die drängende Frage, woher Sänger und Texter Ralf Beulshausen die Inspiration für solch morbide Geschichten um Unglück, Eifersucht und vergangene Träume nimmt, wird noch im gleichen Song beantwortet: „In einer Stadt ohne Dramen/bin ich ein Mann ohne Gedicht“. Und deshalb ist „Nur nicht nach Haus“ nichts anderes als die virtuose Vertonung des alltäglichen Wahnsinns.

Klanglich gerät diese sehr direkt und unverfälscht, hörbar aufgenommen nach dem Ideal alter Jazz-Platten innerhalb weniger Tage. Und auch dass die Herren Beulshausen (Gesang/Gitarre & Trompete), Kiel (Gesang & Piano), Fekl (Gitarre & Orgel), Kiesling (Kontrabass) und Hensel (Schlagzeug) allesamt schon ein gesetztes Alter erreicht haben, lässt sich heraushören. So rotzig, derb und kernig können eben nur alte Männer den Rock auf den Punkt bringen. Die gewagte Jonglage mit Elementen aus Polka, Swing, Chanson & Jazz gelingt zudem unter Auslassung aller musikalischen Gesetze mit unverschämter Leichtigkeit. Ihren Namen haben sich die Jungs aus Alan Parkers Film „Angel Heart“ mit Robert de Niro und Mickey Rourke geliehen, in dem der alternde Swingstar „Johnny Favorite“ erst zu Erfolgen kommt, nachdem er seine Seele verkauft hat. Dass den Jungs diese Story gefällt, verwundert nicht.

Ein Beispiel nehmen sie sich an ihrem Namensgeber aber nicht, sie wollen wirklich nur sich selbst gefallen, irritieren genüsslich etwa durch eine etwas seltsame Anordnung der Songs oder durch zwei skurrile Geschichten, die zwischen den trunkenen Liedern einfach mal so erzählt werden. Der Text des großartigen "Nein Danke" liefert, konstruiert um eine alte Schrift über den Dichter Cyrano de Bergerac, eine Abrechnung mit den Anpassern und Mitläufern dieser verlorenen Welt von selten erreichter lyrischer Qualität.

Johnny Liebling sind ständig eigen und erschaffen verwegene Melodien von ungeheuerlicher Macht. „Du weißt, ich bin nur 'n kleiner Träumer/ ein Mann des Wortes, weniger der Tat“ räumen Beulshausen und Kiel im von nervösen Drums vor sich hin getriebenen „Träumer“ am Ende ihres famosen Zweitwerks ein. Glück gehabt. Die Toten leben noch, Johnny Liebling kommen nicht ins Gefängnis sondern in den Plattenschrank. Um aus diesem immer wieder hervorgeholt zu werden. Nicht nur, um Freunde zu erschrecken.

Anspieltipps:

  • Als Ich Nach Dir Mit Händen Grub
  • Der Mond Scheint Golden
  • Mädchen
  • Bastard, Bankert
  • Nein Danke
  • Träumer
  • Teufel
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