Debbie Rockt! - Egal Was Ist... - Cover
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Debbie Rockt! Egal Was Ist...


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Was die Jungs von Tokio Hotel können, müssen doch auch andere Teenager wiederholen können – denkt sich zumindest die Plattenindustrie und sucht in der ganzen Republik fieberhaft nach ähnlich erfolgsversprechenden „Produkten“. Dass das gar nicht so einfach ist, zeigt das zähe Ringen der okayen Killerpilze und der ganz und gar schrecklichen Nevada Tan. Aber mit Debbie Rockt! scheint nun der Traum aller A&R-Scouts gefunden zu sein: Fünf Mädels aus dem Schwabenländle, die viel Talent mitbringen und ihre Instrumente selbst bedienen.

Namentlich sind dies Sofia „Fie“ Stark (16, Gesang), Rosa Stecher (19, Bass), Denise Wilson (17, Gitarre), Kathi Seitz (19, Gitarre) und Margot „Tan“ Cichy (19, Drums), die das Selbstbewusstsein in Person darstellen. Dieses geht ihrem Label offenbar ab, denn sinngemäße Sätze wie „Die Band aus der Nähe Stuttgarts nimmt in einem Studio – ebenfalls in der Nähe Stuttgarts – die Songs zu ihrem Debütalbum auf“ sind in ihrer Aussage irgendwie blöde. Frage: Was soll der Eiertanz? Wer aus der Provinz stammt und dort arbeitet, soll bitteschön auch dazu stehen. Ist doch nicht schlimm. Oder hat jemand Angst davor, dass das Coolness-Barometer bei Orten wie Winterbach (Studio) und Reutlingen (Bandheimat) in die falsche Richtung ausschlägt? Die Herkunft ist doch völlig egal. Und schließlich singen Debbie Rockt! nicht auf Schwäbisch. Au wenn i koi Dipfelesscheißer bin, des wär’ a schöner Kruscht. Aber g´nug mit´m Lettagschwätz.

Mit „Egal was ist…“ haben Debbie Rockt! ein sehr solides Debütalbum aufgenommen, dem zwar eine Sensationssingle wie „Durch den Monsun“ (Tokio Hotel) fehlt, das aber trotzdem hinreichend Hitpotenzial mitbringt. Den meisten Songs liegt eine punkrockige Basis zugrunde, die fett Druck macht („1000 Flüsse“) und mit eingängigen Melodien schnell ins Ohr geht („Illusion“). Das ist sicher auch ein Verdienst der Produzenten Peter Hoff und Alex Kilb, mit denen Debbie Rockt! monatelang an den Songs für ihr Debüt gearbeitet haben. Zusammen hat das Team das beste Material der Mädchen, die bis dahin noch nie ein Profi-Aufnahmestudio von innen gesehen hatten, herausgefiltert und verfeinert. Und das Ergebnis ist in der Tat brauchbar.

Weit entfernt von der konstruierten Pseudo-Gothic-Aura einer LaFee und den „Linkin Park für Arme“-Klängen Nevada Tans, liefern Debbie Rockt! ein abwechslungsreiches Pop-Rock-Album ab, das nicht ausschließlich auf Gute-Laune-Lieder setzt oder auf Gedeih und Verderb rocken muss. Selbst die Texte – bei Teen-Bands in der Regel ein Problemfall – fallen nicht negativ auf. Echte Ausfälle gibt es keine und die schwächeren Stücke sind deutlich in der Unterzahl. So zählen die recht guten Singleauskopplungen „Ich rocke“ und „Popp Song“ nicht mal zu den besten Songs auf dem Album. Dies sind vielmehr die treibenden Stücke „Goldener Käfig“, „Illusion“ und „Auf der Jagd“ sowie das hymnische „Meine Seele“. Ebenfalls gelungen ist „Schneestürme“, das im Original von der 80er-Jahre-Band Normahl stammt.

Auf „Egal was ist…“ passt vieles zusammen. Der geneigte Käufer erhält ein Paket aus sechs (von 12) guten bis sehr guten Songs, präsentiert von einer sympathische Gruppe, die eine erfrischende Alternative zu der rockenden Boygroup-Schwemme darstellt.

Anspieltipps:

  • Illusion
  • Popp Song
  • Meine Seele
  • Auf der Jagd
  • Goldener Käfig
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