Muff Potter - Steady Fremdkörper - Cover
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Muff Potter Steady Fremdkörper


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Reifeprozess. „Ich will alles nehmen und geben / das ist jetzt und das ist hier, und das sind wir/ wir erfinden eine neue Welt aus brodeln und beben, wenn irgendwas gut ist dann das hier“. Diese Textzeile ist dem Song „Wenn Dann Das Hier“ des letzten Muff Potter Albums „Von Wegen“ entliehen und umschreibt sehr gut den seitdem eingeschlagenen musikalischen Weg der Band. Nun steht die bereits zweite Majorveröffentlichung innerhalb von zwei Jahren ins Haus. Und wenn das Vorgängeralbum der selbsternannten „Angry Pop-Musiker“ aus Münster eine Welt aus brodeln und beben hervorgerufen hat, dann finden wir uns auf „Steady Fremdkörper“ auf genau jenem Planeten wieder. Mit dem Unterschied, dass wir zusätzlich mit Rockbeben der Stärke 9 auf der Richterskala und Tsunamiartigen auf uns einpeitschende Klangwellen zu rechnen haben. Denn auf ihrem neuen Werk präsentieren sich Muff Potter nicht nur im typischen „angry“ Soundgewand, sondern nehmen in Sachen Härte und Geschwindigkeit noch vernehmlich an Fahrt auf. Nagel, Shredder, Dennis und Brami leben für ihre Musik und entwickeln sich und ihren Sound mit jedem neuen Album kontinuierlich weiter. So auch auf dem insgesamt sechsten Album der Potter’schen Bandgeschichte.

„Ich Bin Doch Kein Idiot“ ist der melodiöse Einstieg in „Steady Fremdkörper“. Sänger Nagel nagelt in lyrischer Höchstform vor sich her und es rockt bereits hier schon verdächtig gut. Die Volle Breitseite verschafft „Das Finkelmann’sche Lachen“. Der raue harte Riff im letzten Teil des Songs, haut uns den wohl härtesten Muff Potter Sound der letzten Jahre um die Ohren. Auf „Das Sehe Ich Erst Wenn Ichs Glaube“ ergänzen sich Nagel und Dennis wundervoll bei den mehrstimmigen Vocals und betont angriffslustig knallt der Song herab wie ein riesiger, die Erde in Schutt und Asche legender Meteorit Marke Armageddon. „Sie Tippen Wie Irre Auf Deinen Möbeln“ poprockt schmissig ins Ohr und „Das Halbvolle Glas Des Kulturpessimismus“ wird ohne Fragen zu stellen heruntergespült, und reißt hin zu „Standing Ovations auf allen Vieren“.

Die erste Singleauskoppelung „Fotoautomat“ gefällt aufgrund des hier doch ungewohnt klaren Gesanges von Nagel, während es auf „Wunschkonzert“ aggressiv polternd und erbarmungslos hart zur Sache geht. „Gestern An Der Front“ ist die willkommene, in poppigeren Gefilden wandelnde Verschnaufpause und das mit inständigem Melodiebogen im Refrain versehene und aufgeweckt geniale „Die Guten „ könnte getrost als Fortsetzung der brillanten „Von Wegen“-Hymne „Den Haag“ durchgehen. Das wilde, scheinbar unstrukturierte „Plötzlich Tatsächlich“, sowie der bissige, wummernde Titeltrack bereiten schließlich den Abschluss einer großartig zähneknirschenden und stürmischen Platte.

Fazit: Die entschieden düstere Grundstimmung der elf Songs tut der Qualität des Albums keinen Abbruch und Muff Potter belegen, dass deutschsprachige Texte fernab von Friede, Freude, Heiterkeit keineswegs peinlich oder selbstgerecht wirken müssen. Präzise, knapp und frisch. Das ist Muff Potter 2007 und die positive Energie von „Steady Fremdkörper“ offenbart, dass auch Wut durchaus Spaß machen kann.

Anspieltipps:

  • Ich Bin Doch Kein Idiot
  • Das Sehe Ich Erst Wenn Ichs Glaube
  • Das Halbvolle Glas Des Kulturpessimismus
  • Die Guten
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