Erdmöbel - No. 1 Hits - Cover
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Erdmöbel No. 1 Hits


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das als verschroben geltende Quartett Erdmöbel macht seinem Ruf wieder mal alle Ehre und covert auf „No. 1 Hits“ zwölf, ähem, Gassenhauer quer durch den musikalischen Garten. Es handelt sich bis auf zwei Lieder um englischsprachige Songs, die zwischen 1965 und 2001 irgendwo auf der Welt die Single-Hitparaden anführten und nun sowohl instrumental als auch sprachlich eine Generalüberholung erhalten. Denn Erdmöbel machen sich die Mühe, die Titel bisweilen eins zu eins ins Deutsche zu übersetzen, was hier und da drollig („Da war mal ein Junge“), anrührend („Einer wie wir“) aber auch peinlich ist („Was geht, Muschikatz?“).

Das Album klingt sehr reduziert, ja fast schon akustisch, was gerade bei den Adaptionen der verschiedenen Dance-Popsongs (sehr schön z.B. Kylie Minogues „Can’t get you out of my head“/„Aus meinem Kopf“) unheimlich spannend ist. Ganz klar, die Jungs aus Köln beweisen wirklich Mut, wenn sie einen vergötterten Grunge-Klassiker wie „Smells like teen spirit“ (Nirvana) mit depperten Eintagsfliegen wie „Up and down“ von den Vengaboys (!!) und denkmalgeschütztem Liedgut wie „A whiter shade of pale“ (Procol Harum) auf eine Stufe stellen. Folgerichtig funktionieren auch nicht alle Ex-Nummer-1-Hits im neuen Gewand. Dabei sind Ideen, wie die zünftigen Bläser in „Riecht wie Teen Spirit“ durchaus als genial einzustufen. „Rosenheim-Cops“ goes Seattle. Cool! Auch die gefühlvolle Coverversion von Joan Osbornes 1996er One-Hit-Wonder „One of us“ („Einer wie wir“) – auch hier sind wieder Bläser zu hören – ist sehr gelungen, genau wie Robbie Williams „Der Weg nach Mandalay“.

Dennoch gilt: Ein guter Song bleibt ein guter Song. Aus einem schlechten wird nicht plötzlich ein guter. Und so darf der Hörer rätseln, was die feschen Herren aus Köln mit 60er und 70er Jahre Schlagern von Tom Waits („What’s new, pussycat?“), Jeanette Dimech („Porqué te vas“) sowie End-Neunziger Fitnesstempelliedgut („Up and down“) bezwecken wollen. Und einem ur-deutschen Electrosong wie „Das Modell“ (Kraftwerk) einfach nur den Stecker herauszuziehen, ist auch nicht gerade fesselnd. Nichtsdestotrotz ist „No. 1 Hits“ ein nettes Album, basierend auf einer feinen Idee, das ein paar kleine Schwächen hat, dafür aber mit einem wunderbar reduzierten Sound ausgestattet.

Anspieltipps:

  • Einer wie wir
  • Riecht wie Teen Spirit
  • Da war mal ein Junge
  • Ich machte nen Scherz
  • Der Weg nach Mandalay
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  • 2017    
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