Billy Talent - Billy Talent - Cover
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Billy Talent Billy Talent


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Billy Talent sind durch und durch massenkompatible Newcomer.

Eltern wissen nicht wer Benjamin Kowalewicz ist? Dann steht der Streit mit den Kindern jetzt wohl schon im Haus. Denn Kowalewicz, seines Zeichens Sänger der Newcomer Billy Talent, ist mit seiner Band von Null direkt auf Hundert geschossen. Auszeichnungen regnete es für das Album wie aus Kübeln und man fragt sich, wo man ist, wenn die Leute Billy Talent nicht kennen. Als Benjamin Kowalewicz (Gesang), Ian D’Sa (Gitarre), Jon Gallant (Bass) und Aaron Solowoniuk (Schlagzeug) anfangen suchen sie ihren eigenen Sound, der in Möchtegernprogressivrock ausartet. Irgendwann geben sie sich der Idee des eigenen Sounds geschlagen, warten auf ein paar geniale Akkorde und machen daraus Songs. Eine einfache Idee hinter der letztendlich ein gewaltiger, kommerzieller Erfolg steckt.

Über das Album an sich gibt es nicht viel zu sagen: Kein Scherz! Mit einem Kopfnick-Ohrwurm-Lied wie „This Is How It Goes“ fängt das Album an und hört mit einem im Grunde genauso gestrickten „Voices Of Viloence“ auf. Was die Kanadier da abliefern ist nun einmal Rock wie man ihn heutzutage aus dem Radio und diversen Musiksendern kennt. Da sind keine Variationen oder irgendwelcher Schnickschnack. Es wird einfach in die Saiten gehauen und der Sänger sucht sich aus, ob er beinahe Pop-mäßig singt oder so gut er kann schreit. Letzteres überwiegt dennoch meistens. Es ist vielleicht noch zu bemerken, dass die Band sehr von Backgroundgesang angetan ist, womit wir aber auch schon am Ende sind. Die Songs heben sich nicht voneinander ab und bilden eine sehr homogene Einheit. Mal ist es weniger ins Gehör einfräsend, dafür rockiger oder halt genau anders herum.

Was noch beredenswert ist, wäre ob Billy Talent nun wirklich eine Punkband ist. Textlich bestimmt, aber dann wären einige Porcupine-Tree-Lieder wohl das punkigste, was der Rezensent kennt. In all den mainstreamigen Refrains, die die Songs auf Jedermann zuschneiden, geht letzter Anarchie- und Rebellengeist verloren. Refrains dieser Art mögen bei System Of A Down funktionieren, aber bei Billy Talent setzt früher oder später die Langeweile ein. Man kann sich natürlich noch Lieder wie „Lies“ herauspicken, welche über schöne Melodiebögen verfügen, auch wenn sie von vornherein kein Geheimnis aus ihrer einfachen Struktur machen. Manchmal ist das Leben halt so. Wird für den kanadischen Vierer auf der ganzen Welt der Teppich ausgerollt bleiben viele, wahrscheinlich mehr ambitionierte Bands auf der Strecke.

Die Jugend findet bestimmt gefallen an dieser Band, den als Vertreter des „neuen“, einfachen Rocks sind sie durchaus als gut zu bewerten. Wer allerdings auf Innovation oder Rock wie ihn noch Guns ’N Roses gemacht haben setzt wird von dieser recht einfachen Kombo aus Übersee ein wenig enttäuscht sein. Billy Talent ist nun mal eine durch und durch massenkompatible Gruppe, wie sie in Lehrbüchern von Dieter B. wohl stehen müssten. Hört sich nicht unbedingt überragend an? Überragend ist es auch gewiss nicht, aber eine durchschnittlich gute Rockband, mit der sich ein wenig die Zeit vertreiben lässt.

Anspieltipps:

  • This Is How It Goes
  • The Ex
  • Prisoners Of Today
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