The National - Boxer - Cover
Große Ansicht

The National Boxer


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken“.

Wein ist eines der altehrwürdigsten Getränke der Menschheitsgeschichte und die von ihm ausgehende Faszination hat bis heute bestand. So vielfältig seine Traubenarten, so vielseitig sind auch die Arten seines Genusses. Wein ist halt nicht nur ein Getränk, sondern ebenso Luxus, wie auch Teil unseres Alltags. Das wichtigste Kriterium eines exzellenten Weines ist seine Reifezeit. Ob die 1-3 Jahre lange Wartezeit bei leichten Rot- und Weißweinen, oder die mitunter 10-20jährige Lagerung bei ausgesuchten Edeltropfen. Genau wie Wein, füllt auch die Musik unzählige Seiten unserer Geschichtsbücher. Ganz besondere musikalische Ergüsse reifen ähnlich wie Wein, um sich dann nach einer gewissen Zeit in voller Pracht zu entfalten. „Alligator“ (Jahrgang 2005), das letzte Album der amerikanischen Formation The National war ein eben solcher. Ein Stück Musik, dass im Laufe der Zeit zunehmend wuchs, verdientermaßen von Kritikern gefeiert wurde, und den fünf aus Cincinnati, Ohio stammenden Bandmitgliedern den verdienten Durchbruch bescherte.

„Boxer“ heißt das neue Album der Wahl-New-Yorker und man kann es durchaus als „Spätauslese“ titulieren. Denn die Aufnahmen ihres mittlerweile vierten Studioalbums dauerten mehr als 13 Monate. Zusammen mit Peter Katis (Interpol, Spoon) wurden nach dem Motto „Gut Ding will Weile haben“, traumhafte Melodien und betörende Kompositionen herangezüchtet, um diese dann rechtzeitig zu ernten und uns als herzerfrischendes musikalisches Bouquet servieren zu können. Einen zunächst relativ minimalistischen Eindruck vermittelnd, erzeugen die insgesamt 12 Songs bei zunehmender Player-Rotation ein Maximum an Wohlbehagen. Dezent und fast unbemerkt schleichen sich die sanften Melodien ins Ohr und scheinen im Laufe ihrer Spielzeit immer mächtiger und druckvoller zu agieren.

„Fake Empire“ mit seinem zunächst asynchronen wirkenden Klavierspiel und dem Gänsehaut-Bariton von Sänger Matt Berninger ist tieftraurig und ungestüm fröhlich zugleich. „Mistaken For Strangers“ ist in ein leicht rockendes, in Nebel gehülltes, melodiöses und intimes Kunstwerk während „Green Gloves“, „Racing Like A Pro“ und „Gospel“ in ihren schwarz-lila-dunkelblau schimmernden Klangwelten gedeihen. Das behutsame Saitengezupfe auf „Start A War“ erzeugt ein Gefühl von Zerbrechlichkeit, und die im Hintergrund sanft ertönende orchestrale Begleitung führt durch dieses allumschlingende Stück. Auch bei „Guest Room“ und „Ada“ ist man The National hoffnungslos verfallen. Die wohligen Melodien, klugen Arrangements, großartigen Refrains und die scheinbar immer tiefer erklingende Stimme von Berninger packt und lässt nicht wieder los.

Johann Wolfgang von Goethe hatte einmal gesagt: „Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken“. Und dieses Album ist in der Tat wie guter Wein. Es muss reifen, um seinen Schönheit zu entwickeln. Und erst mal auf den Geschmack gekommen, ist es unmöglich diesem Genuss zu widerstehen.

Anspieltipps:

  • Fake Empire
  • Slow Show
  • Start A War
  • Gospel
Neue Kritiken im Genre „Rock“
7/10

Lost On The Road To Eternity
  • 2018    
Diskutiere über „The National“
comments powered by Disqus