Beardfish - Sleeping In Traffic: Part One - Cover
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Beardfish Sleeping In Traffic: Part One


  • Label: Inside Out/SPV
  • Laufzeit: 66 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Retro ist in. Retro ist chic. Retro ist seit The Strokes, Franz Ferdinand und Mando Diao ein eigenes Subgenre der Rockmusik und allein deswegen ein fast alltäglicher Bestandteil jedes Musikinteressierten. Nachdem es im Bereich Metal seit geraumer Zeit ebenfalls tiefe Verbeugungen vor den eigenen Idolen gibt (Trivium, Sanctity), ist die Ausweitung in andere Gefilde des Pop natürlich eine unabwendbare Offensichtlichkeit. Das im Falle Beardfish das Ergebnis jedoch dermaßen ungezwungen, frisch und ehrlich aus den Boxen knallt, war im Vorhinein schon an der Herkunft des Vierers abzulesen: Schweden.

Kein anderes Land versorgte den Globus in regelmäßigen Abständen besser mit handgemachter und vor Herzblut strotzender Rockmusik als eben dieses im Osten Skandinaviens liegende Königreich. Rikard Sjöblom (Gesang, Keyboard, Gitarre, Akkordeon, Perkussion), David Zackrisson (Gitarre), Robert Hansen (Bass) und Magnus Östgren (Schlagzeug) huldigen allerdings nicht dem schnöden, rotzigen Garagenrock, sondern haben sich auf eine astreine Vorstellung im Stile der frühen Deep Purple (etwa Mark I und II) und Pink Floyd (circa „The dark side of the moon“) mit einer Prise Supertramp festgelegt.

Das resultiert mit anderen Worten in eine gelungene Odyssee aus Progressive, Psychedelic und melodiösen Hardrock, die sich vor den großen Vorbildern der Band wie Genesis oder King Crimson keinesfalls verstecken muss. Dennoch verwirren Beardfish den Hörer mit dem kurzen Intro „...on the verge of sanity“ mit französisch angehauchtem Flair, das kurzerhand in das bezeichnende „Sunrise“ mündet, welches gleich aufzeigt, dass die Schweden in punkto Songwriting einiges auf dem Kasten haben. Mit „Afternoon conversation“ brillieren die Vier mit schillernden Pink Floyd-Reminiszenzen, während „And never know“ die stürmische Seite der Band präsentiert und lautstarken Gitarreneinsatz zu Tage fördert.

Danach folgt mit „Roulette“ das Stück, das Rick Davies nie geschrieben hat, obwohl der Track in jedem Ton die Unbeschwertheit der britischen Rockband atmet. „Dark poet“ kann anschließend als Intermezzo gewertet werden, das den Spannungsbogen aufrecht erhalten soll um das grandiose „Harmony“ anzukündigen, wo man zu Beginn unweigerlich an Jon Lords Keyboardspiel denken muss. Überhaupt bringen Beardfish mit diesem Song die emotionale Orgel-Rockballade zurück, die Deep Purple im Laufe der Zeit abgelegt hatten. Ein knallhartes Instrumental mit Tabla, Synthies und allem was dazugehört um ein Woodstock-Feeling aufkommen zu lassen, setzen Sjöblom & Co. mit „The ungodly slob“ vor, während „Year of the knife“ ein letztes Mal das Tempo anzieht, denn das nachfolgende „Without you“ beschränkt sich darauf, von einer Akustikgitarre geleitet zu werden und auch „Same old song“ hält mit seinem Untertitel „Sunset“, was er verspricht, wodurch die richtigen Schlussakzente gesetzt werden.

Zweifelsohne, „Sleeping in traffic: Part one“ ist ein Album geworden, das sich nicht nur durch die musikalisch einwandfreie Darbietung auszeichnet, sondern auch aufgrund der hörbaren Spielfreude jedes einzelnen Bandmitgliedes seine Faszination bezieht. Dass ein zweiter Teil in Arbeit ist, dürfte genau so viel Grund zur Freude geben wie die Tatsache, dass hier Leute am Werk sind, die den Rock der 70er Jahre in Ehren halten, was mit einer Hingabe geschieht, die nicht selbstverständlich ist.

Anspieltipps:

  • Sunrise
  • Harmony
  • The Ungodly Slob
  • Afternoon Conversation
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