Paradise Lost - In Requiem - Cover
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Paradise Lost In Requiem


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein eindrucksvolles zwölftes Werk der Vorzeige-Gothic-Rocker.

Sommer 2007. Die Sonne lacht, die Vögel zwitschern und Frühlingsgefühle kochen hoch. Was liegt da näher als sich eine neue Paradise-Lost-Platte anzuhören? Genau. Eigentlich alles. Aber einer muss es ja machen. Ich werde nie verstehen, warum solche Alben immer zur unpassendsten Jahreszeit erscheinen. Ohne ausgewachsene Herbstdepression macht eine Platte wie „In Requiem“ doch nur halb so viel Spaß.

Wie auch immer. Mit ihrer selbstbetitelten Wiederbelebungsplatte aus dem Jahre 2005 haben die Düsterrocker von der Insel gezeigt, dass weiterhin mit ihnen zu rechnen ist, obwohl es lange Zeit nicht besonders gut um die Band stand. Label- und radikaler Stilwechsel sorgten zwischenzeitlich für reichlich Verwirrung und man musste fürchten, dass Paradise Lost langsam aber sicher nicht nur ihren künstlerischen Zenit, sondern auch den Jordan überschreiten. Vermutlich haben sie den Gott der Unterwelt höchstpersönlich um Aufschub gebeten und um Rat gefragt, denn „In Requiem“ ist ein brachialer Todesmarsch geworden. Ein Album, das in Hades Reich zu wilden Orgien gespielt wird und zu dem man sich gerne begraben lassen würde. In Requiem eben. Die dunkle Messe beginnt mit dem Opener „Never for the damned“ schon recht vielversprechend. Das Lied knüpft stilistisch nahtlos an das Vorgängeralbum an; überzeugt mit einem wuchtigem Refrain, den sich Sänger Nick Holmes von den Stimmbändern kratzt. Nach dem nicht unangenehm auffallenden „Ash & debris“ kommt mit der Single „The enemy“ das erste richtige Highlight aus den Lautsprechern gedonnert. Ein liebliches Weibsbild erweckt die Toten und müde Geister, die dann dreieinhalb Minuten ein rauschendes Fest feiern. Ein Song, der mitten zwischen die Augen geht. Volltreffer.

In Gestalt von „Praise Lamented Shade“ schließt sich dann wieder ein getragenerer Titel an, der exakt die finstere, aber doch in bestimmter Art und Weise warme Atmosphäre aufbaut, für die man die Band so mag. Mit Paradise Lost ist eben ein Original am Start und nicht irgendwelche Nachahmer, die gemerkt haben, dass sich mit Gothic-Rock gut Kasse machen lässt. Apropos. Mit dem auf den Quasi-Titeltrack „Requiem“ (schnell, hart, gewaltig) folgenden „Unreachable“ hat die Band einen bestens geeigneten Kandidaten für die zweite Singleauskopplung in petto. Ein typischer Paradise-Lost-Track, wenn auch nicht ganz so adrenalinausschüttend wie „The Enemy“. Im Anschluss wird es mit „Prelude to descent“ auf dem ersten Blick etwas schwächer, da sich das Stück doch sehr behäbig und spannungsarm dahinschleppt. Wer trotzdem durchhält wird nach gut der Hälfte mit einem wilden Ausbruch belohnt, der den Track gerade noch über die Ziellinie rettet. Leider kann auch „Fallen children“ das bis dato durchgehend hohe Niveau nicht ganz halten. Der Titel krankt ein wenig an Ideenarmut und würden einem gar nicht auffallen, wenn man das Album nicht mit großer Aufmerksamkeit konsumiert. Doch schon kurz darauf steuert die Begräbnisfeier auf einen neuen Höhepunkt zu. „Beneath black skies“ ist mit einem unwiderstehlichen Chorus ausgestattet. Spätestens jetzt ist auch der letzte auf dem Friedhof aufgewacht. Und mit „Sedative god“ und „Your own reality“ folgen ja noch zwei Highlights.

Sommer 2007. Erst nach 21 Uhr geht die Sonne unter und kurz nach 5 Uhr ist das Miststück schon wieder da. Das sind nur ca. 8 Stunden Zeit, um für „In Requiem“ in die richtige Stimmung zu kommen. 8 Stunden, die man auf keinen Fall mit Schlaf (außer vielleicht mit Beischlaf) zubringen, sondern von der ersten bis zu letzten Minute in dieses eindrucksvolle zwölfte Werk der Vorzeige-Gothic-Rocker investieren sollte.

Anspieltipps:

  • The enemy
  • Beneath black skies
  • Never for the damned
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