Gretchen Wilson - One Of The Boys - Cover
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Gretchen Wilson One Of The Boys


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Die amerikanische Stadt Nashville und Countrymusik gehören einfach zusammen. Da ist es kein Wunder, dass die Sängerin Gretchen Wilson dort entdeckt wurde. Sie steht an der Spitze der sogenannten New Countrymusik, was bei ihr bedeutet, dass sie Traditionelles mit Rockelementen mischt. Ihre wirklich gute Stimme führt die meisten Songs und ihre persönlichen Erlebnisse fließen in die Texte ein. Ihre ersten beiden erfolgreichen Alben waren eher fremd bestimmt, John Rich und Mark Wright komponierten meist die Tracks und mit fast fünf Millionen verkauften CDs fand sich Mrs. Wilson plötzlich in der Country-Superliga wieder. John Rich ist immer noch da, aber mittlerweile schreibt Gretchen Wilson ihre modernen Countrysongs mit ihm zusammen.

Herausgekommen sind elf Songs, die abwechslungsreich arrangiert sind, aber nie den ursprünglichen roten Faden, die traditionellen Countryzutaten wie die Westerngitarre oder Fiddle, verlieren. Gretchen Wilson setzt auf die Kraft ihrer Stimme und einfache aber melodiöse Konstruktionen. Wer kein Faible für diese uramerikanische Musikstilrichtung Country besitzt, bekommt bei Frau Wilson kaum eine Chance. Der Opener „The girl I am“ fiddelt sich gleich in den Countryhimmel, eine einfache Melodie trägt Gretchen stimmlich souverän über die 3-Minuten-Grenze. Das ist nicht unbedingt Extraklasse, schlecht klingt es aber auch nicht. Die Gitarre ist bei „Come to bed“ auch im Einsatz und gibt dieser Halbballade zusammen mit den Drums den nötigen Halt.

Spätestens beim Titelstück bekommt man schon das Gefühl, dass der dauernde Gebrauch der Westerngitarre langsam an die Nerven geht, aber das ist halt Country. „You don't have to go home“ bringt den Rock ins Spiel, endlich möchte man meinen. Da treiben die Instrumente und machen Tempo, die Stimme gibt auch alles und es macht Spaß zuzuhören. Zu früh gefreut, denn mit „Heaven help me“ wird es wieder so furchtbar ruhig und ergreifend, da bleibt kein Auge trocken, die Ballade rührt einen schon.

So geht es immer weiter: Gutes Rockiges, „There's a place in the whiskey“, wechseln sich mit Sanftem wie „Pain killer“ ab. Ist das nun überdurchschnittlich oder nur was für Genrefreunde? Die Rocksongs machen irgendwie mehr Spaß als die Countryballaden, diese gleichen sich einfach zu sehr. Je mehr Hördurchgänge man investiert, umso wohlwollender wird das Urteil, aber diese heulende Countrygitarre nervt schon ein wenig und das Songwriting glänzt schon durch sehr sparsamen Einsatz von Tempowechseln oder unverhofften Melodieführungen, denn das fehlt zeitweise eindeutig. Trotzdem kann Gretchen Wilson ihren Thron der Countrykönigin in den USA bestimmt verteidigen, wird aber mit ihren recht traditionellen Werken bei dieser CD die europäischen country-ungewohnten Hörer eher abschrecken. Auch die nicht vorhandenen Marketingbemühungen der Plattenfirma tragen ihren Teil dazu bei, dass hierzulande kaum einer die zweifellos talentierte Gretchen Wilson kennenlernen wird.

Anspieltipps:

  • You don't have to go home
  • There's a place in the whiskey
  • There goes the neighborhood
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