Chris Cornell - Carry On - Cover
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Chris Cornell Carry On


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieses Album wird definitiv polarisieren!

Als Sänger und Songschreiber ist Chris Cornell seit über 20 Jahren in der Szene hoch angesehen. Sei es als Frontmann seiner ersten Band Soundgarden (1984 – 1997), als Solokünstler (1998 – 1999) oder bei seiner letzten Band Audioslave (2000 – 2006), die Mr. Cornell zugunsten seiner zweiten Solokarriere und dem neuen Album „Carry On“ verlassen hat. Menschlich sympathisch erschien der 42-Jährige trotz des uneingeschränkten Respekts vor seinem Können dagegen nie. Chris Cornell umgibt eine unnahbare Aura aus Argwohn, Eigenbrötlerei und Menschenscheu, die seine Kunst faszinierend macht, sein öffentliches Erscheinungsbild im Vergleich dazu aber eher schwierig gestaltet.

Cornells zweiter Solostreich „Carrry On“ ist das Ergebnis eines jahrelangen Lern- und Erfahrungsprozesses – sowohl stimmlich als auch in Sachen Songschreibetechnik. Die 15 Kompositionen des „Euphoria Morning“-Nachfolgers aus dem Jahr 1999 zeigen Cornell als einen gereiften Sänger, der mehr kann als „nur“ Grunge-Songs brüllen oder mit tief-dunklem Timbre Alternative-Rock-Stücke grummeln. Auch stilistisch ist die Bandbreite auf „Carry On“ im Vergleich zu Cornells bisherigen Schaffen gewachsen. Die von Steve Lillywhite (U2, The Rolling Stones, Dave Matthews Band, Morrissey) produzierte Platte streift neben wenigen härteren Songs (nämlich genau zwei: „No such thing“ und „Poison eye“) durch Country- („Finally forever“) und Soul-Bereiche („Safe and found“) und macht selbst vor poppigen Gefilden keinen Halt („Arms around your love“, „Ghosts“).

Diese Mischung wird wohl besonders unter den Fans von Soundgarden und Audioslave für Diskussionen sorgen. Doch Cornell stellt die Sache äußerst geschickt an und startet das Album mit Songs, die ohne weiteres in den Audioslave-Kosmos gepasst hätten („No such thing“, „Poison eye“), um dann erste Gitarrenpopschritte zu unternehmen („Arms around your love“), gefolgt von einer astreinen Soul-Pop-Vorstellung mit Bläsern und tiefschwarzer Stimme á la Terence Trent D´arby („Safe and sound“). Das ist kompositorisch meistens erste Sahne, auch wenn ein paar Songs darunter sind, die nicht wirklich begeistern können und je nach Laune als Kunst oder Füllmaterial („Hover“, „Killing birds“, „Silence the voices“) oder schlicht als zu seicht („Disappearing act“) bezeichnet werden dürfen. Eine echte Überraschung ist dagegen das psychedelisch schleppende Cover des Michael-Jackson-Klassikers „Billy Jean“. Aus dem Dance-Groover macht Cornell eine suizidgefährdende Düsternummer mit Pianobegleitung zur Akustikgitarre.

Dieses Album wird definitiv polarisieren, denn mit schmachtenden Songs wie „Finally forever“ und „Disappearing act“ sowie einem sehr hohen Popanteil ist „Carry On“ nichts für Fans härterer Rocktöne. Und diese bilden nun mal die Basis der Cornell-Anhänger. Zudem verzeichnet das Werk eine stark absteigende Spannungskurve. Es fängt extrem stark an, verläuft sich aber mit zunehmender Spieldauer in zahnlosen Liedern, die mit dem ohne erkennbare Hookline auskommenden „James Bond: Casino Royale“-Titeltrack „You know my name“ ihren negativen Höhepunkt erreichen. Und dafür hat Chris Cornell den Split von Audioslave in Kauf genommen. Unverständlich!

Anspieltipps:

  • Billy Jean
  • Poison eye
  • No such thing
  • Safe and sound
  • She’ll never be your man
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