LaFee - Jetzt Erst Recht - Cover
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LaFee Jetzt Erst Recht


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 47 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Nummer-1-Album („LaFee“, 06/2006, 300.000 verkaufte Einheiten), ein Bündel Singleauskopplungen, ausverkaufte Konzerttourneen, Preisverleihungen, Fernsehauftritte, Plattenaufnahmen, Prüfungsstress, Schulabschluss, Ärger mit ehemaligen Mitschülern, Krankheit und OP – im Leben der 16jährigen Christina Klein aus der Stolberg bei Aachen hat sich in den vergangenen 18 Monaten so viel getan, da reichte dem Haus- und Hofblatt Bravo kaum eine Doppelseite pro Woche, um alle News an die Fans zu bekommen.

Wenn sich die Gesetze der Popmusik nicht geändert haben – und warum sollten sie das? – sollte LaFee mit ihrem zweiten Album „Jetzt erst recht“ weiter auf der Erfolgswelle schwimmen. Denn die Macher hinter dem singenden Teenager (Bob Arnz, Gerd Zimmermann, Christoph Siemons) haben die Rezepte des dreifach vergoldeten Debüts auch für den Nachfolger unverändert übernommen. Das geht soweit, dass der Hörer gewisse Songs der beiden Alben ohne LaFees Gesang (der sich hörbar weiterentwickelt hat) gar nicht auseinanderhalten kann, so immens sind die Ähnlichkeiten.

Die Gitarren donnern gewohnt druckvoll und metallisch aus den Boxen, während die schematischen Riffs den Nu-Metal-Baukasten leer räumen. Zugegeben, das ist in der Tat super-eingängig, allerdings nie richtig fesselnd und auf Dauer total vorhersehbar, da sich (Halb-)Balladen („Der Regen fällt“, „Wer bin ich“) und Gitarrenballermänner („Heul doch“, „Küss mich“) immer schön abwechseln, bis der Spuk nach einer Dreiviertelstunde relativ unspektakulär beendet ist. Lediglich das Stück „Beweg dein Arsch“ bricht minimal aus dem vergoldeten Schema aus, weil auf Wunsch von LaFee HipHop-Beats verbastelt wurden. In diesem Moment kommt mal etwas Abwechslung und Spannung auf. Aber das war es auch schon mit den Innovationen.

Auch wenn es wieder ein paar besorgte Mütter geben wird, denen es gar nicht gefällt, wenn eine 16-Jährige ihren (mitunter viel jüngeren) Sprösslingen mit brisanten Themen kommt („Küss mich“ – Sex-Alarm!!!), gibt LaFee erneut Texte zum Besten, die zielgruppenauthentisch wirken, da sie ganz normaler Gesprächstoff unter Teenagern sind. Schließlich ist das eine unerlässliche Ingredienz des Erfolgs der Senkrechtstarterin. Und so kommt es, wie es kommen muss: Wie schon bei ihrem Debütalbum packt LaFee düstere Themen an, die bei Popstars in der Regel tabu sind. Als da wären: Selbstmord („Zusammen“), Bulimie („Du bist schön“), Beziehungsterror („Weg von dir“), Rache am Ex („Für dich“) und Familienstress („Stör ich“).

Zusammen mit den knatternden E-Gitarren und den atmosphärischen Synthesizern sowie der dunklen Symbolik des Albums, wird hier ein ganz neues Genre geschaffen: Gothic-Pop mit Rammstein-Gitarren. Unbeschwerte Titel wie „Heiß“, „Heul doch“ und „Beweg dein Arsch“ sind da tatsächlich die Ausnahme. Trotzdem ist die Hitdicht wieder sehr hoch und es sollte mit dem, ähem, Teufel zugehen, wenn sich auf „Jetzt erst recht“ nicht mindestens drei bis vier Hitsingles finden würden. Dass LaFee unterm Strich auch nur ein Konstrukt ist wie sämtliche Boygroups des Universums, spielt da fast keine Rolle mehr, so perfekt wie dieses Produkt präsentiert wird. Wir werden sehen, wie lange das Spielchen noch funktioniert…

Anspieltipps:

  • Küss mich
  • Heul doch
  • Müss mich
  • Wer bin ich
  • Beweg dein Arsch
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