Paul McCartney - Memory Almost Full - Cover
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Paul McCartney Memory Almost Full


  • Label: Concord/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Hätte Paul McCartney vor ungefähr zwei Jahren nicht den Produzenten Nigel Godrich getroffen, wäre „Memory Almost Full“ schon längst auf dem Markt.

Nach gefühlten 100 Jahren veröffentlicht Sir Paul McCartney sein neues Soloalbum „Memory Almost Full“ – das 21. nach dem Ausstieg bei den Beatles – auf dem neugegründeten Label Hear Music im Vertrieb von Universal Music und nicht bei der altehrwürdigen EMI. Allein das ist eine Meldung wert, denn Paul McCartney und Capitol/EMI, das war wie ein altes, unzertrennliches Ehepaar. Hoppla, gefährliches Terrain. Jetzt bloß keinen öffentlichen Scheidungskrieg, Teil 2. Die Schlammschlacht mit Heather Mills hat allen gereicht und steht auch uns inzwischen bis zum Hals.

Hätte Paul McCartney vor ungefähr zwei Jahren nicht den Produzenten Nigel Godrich (Beck, Radiohead, Travis) getroffen, wäre „Memory Almost Full“ schon längst auf dem Markt. Doch der Soundtüftler, der insbesondere die Band Radiohead auf dem Weg von einer gewöhnlichen Rockgruppe zu einer angesehenen Avantgarde-Kapelle begleitete, überredete den Ex-Beatle, der altersmäßig sein Vater sein könnte, zu einem intimen Werk mit düsterer Grundstimmung und akustischen Arrangements. Das Ergebnis war das vielgelobte, für einen Grammy nominierte „Chaos And Creation In The Backyard” (09/2005), mit dem sich der alte Hase Paul McCartney neu erfunden hatte.

Trotzdem scheint das Projekt mit Nigel Godrich nur ein einmaliger Ausflug gewesen zu sein. Denn jetzt erscheint das Album, das Sir Paul zugunsten von „Chaos & Creation In The Backyard” zur Seite legte. Dieses knüpft klanglich nicht nur an alte Bombastsounds an, es lässt sogar moderne Einflüsse zu, die höchstwahrscheinlich mit auf das Konto von Produzent David Kahne (The Strokes, Regina Spektor, Fishbone, Tony Bennett) gehen. Dieser entlockte dem 65-Jährigen ungewöhnlich wütende Rocksongs („Nod your head“), herrlich eingängige, fröhliche Popsongs wie „Ever present past“ und „Dance tonight“ (man achte auf die Mandoline gepaart mit dem simplen Beat), treibende Rocksongs mit genial aufgenommenen Gitarren („Only mama knows“) und moderne Sounds mit (das geht tatsächlich) Retro-Einschlag („Gratitude“, „Vintage clothes“).

Das ergibt unterm Strich ein knackig-kompaktes Popalbum, auf dem Paul McCartney wie von einer Zentnerlast befreit singt und musiziert und alles andere als altbacken klingt. Damit hat Macca den Anschluss an das aktuelle Musikgeschehen zurückgefunden und wird ihm in dieser Form wieder seinen Stempel aufdrücken.

Anspieltipps:

  • That was me
  • House of wax
  • Dance tonight
  • Vintage clothes
  • Ever present past
  • Only mama knows
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