Queens Of The Stone Age - Era Vulgaris - Cover
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Queens Of The Stone Age Era Vulgaris


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Was ist denn hier los? Wer wird denn den armen Hörer gleich am Anfang mit einem Song wie „Turnin’ on the screw“ erschrecken?! Der Opener rumpelt, knarrt und rattert nämlich wie ein unrund laufender Schiffsdiesel, so als hätte sich eine CD der QOTSA-Kumpels „Eagles Of Death Metal“ in den Player geschummelt, damit die trashigen Spaßvögel um Jesse Hughes mit einem Trick ihre kranke Rockmusik einem Massenpublikum, das die Queens Of The Stone Age inzwischen definitiv anziehen, präsentieren können. Doch nichts da! Es handelt sich in der Tat um das neue (fünfte) Werk der Queens Of The Stone Age. Und das irre LoFi-Geschrubbe des Openers, direkt aus der Riff-Metzgerei von Meister Homme, nimmt bis zum finalen Song kein Ende.

Alle Achtung! Da hat sich die Band mit ihrem letzten Album „Lullabies To Paralyze“ (03/2005) ganz vorsichtig dem Mainstreampublikum angenähert und nun zerstört sie die noch frische Freundschaft mit dem unerwartet sperrigen „Era Vulgaris“ mit nur einem Schlag wieder. Das hört sich anfänglich hübsch verrückt an. Doch mit jedem weiteren Durchlauf von „Era Vulgaris“ lässt sich erahnen, welches kleine Teufelchen Joshua Homme bei den Aufnahmen geritten haben muss. Denn es muss dem Wüstenrocker eine diebische Freude bereitet haben, wenn er bei eh schon sehr zäh mahlenden Stücken wie „Sick, sick, sick“ (mit Julian Casablancas von The Strokes an der Gitarre), „Battery acid“ oder „I’m designer“ nicht in den sicheren Hafen eines eingängigen Refrains bzw. einer schönen Melodie einläuft, sondern bewusst das extra grobkörnige Schmirgelpapier herausholt und jeden Mainstreamverdacht schon im Ansatz zersägt. Selbst wenn es wie bei „Into the hollow“ etwas lieblicher wird, jaulen die Gitarren noch wie ein Rudel wilder Katzen zu nachtschlafender Zeit. Höchstens „Make it wit chu“ taugt als Zugeständnis in Richtung einer zweiten Singleauskopplung. Wobei, eigentlich müsste es ja mindestens drei Auskopplungen geben, da das Digipack von „Sick, sick, sick“ Platz für zwei zusätzliche CDs hat. Wir dürfen gespannt sein.

So, liebe Weichspülpopper, seid ihr nun amtlich abgeschreckt worden? Recht so! Dann kann’s ja losgehen und verraten werden, dass sich der willige Hörer auch ein schräges Album wie dieses mit der Zeit schön hören kann, wenn er sich die Zeit nimmt, unter die Oberfläche der rauen Schale zu dringen. Dann wird er das wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und her zackende „Run, pig, run“ lieben und feststellen, dass „Suture up your future“ wie eine moderne Version eines Doors-Songs klingt. Er wird bemerken, dass „Misfit love“ für einigermaßen bewegliche Zeitgenossen durchaus tanzbar ist und dass ein Track wie „3’s & 7’s“ tief in die Zeit des Grunge zurückgreift zumindest damals ein garantierter Hit für Bands wie Nirvana oder Soundgarden gewesen wäre. Und, liebe Indie-Rocker, seid ihr nun versöhnt mit den Queens Of The Stone Age? Die Antwort darauf können nur unsere kölschen Freunde, die Höhner, geben: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Anspieltipps:

  • I’m designer
  • Run, pig, run
  • Sick, sick, sick
  • Make it wit chu
  • The fun machine took a shit and died
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