Symphony X - Paradise Lost - Cover
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Symphony X Paradise Lost


  • Label: Inside Out/SPV
  • Laufzeit: 61 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie es sich bereits auf „The Odyssey“ ankündigte, haben Symphony X die härtere Spielart des Metals für sich entdeckt.

Ein ungeschriebenes Gesetz des Musikbusiness lautet: je länger ein Album in der Mache ist, umso größer werden die Erwartungen. Es sei denn, es überschreitet eine magische Zeitgrenze und entwickelt sich zum Running Gag. Hat da jemand „Chinese democracy“ gesagt? Fünf Jahre stellen allerdings auch schon einen überproportional langen Zeitraum zwischen zwei Alben dar. 2002 erschien mit „The Odyssey“ das bisher letzte Werk der sich 1994 formierenden Prog-Metaller, denen es bisher nicht so recht gelingen wollte, aus dem Schatten von Dream Theater zu treten, mit denen sie übrigens ab dem 26. September auf Europatournee sind.

Wie es sich bereits während der Odyssee ankündigte, haben Symphony X die härtere Spielart des Metals für sich entdeckt. Zwar waren die Mannen um Russell Allen und Micheal Romeo schon immer eine Prog-Metal-Kapelle, trugen in der Vergangenheit aber - oh Wunder - eher symphonischen Charakter. Diese Markenzeichen ist jedoch nicht verschwunden, sondern wurde viel mehr durch eine gesunde Härte ergänzt, was schon das im Vergleich zu früheren Alben deutlich unkitschigere Cover deutlich macht.

Um episch zu wirken, greifen viele Bands auf die lateinische Sprache zurück. Die versteht zwar kaum ein Mensch, aber man kann sich ihrem Bedeutungsgehalt kaum entziehen. Wenn Französisch die Sprache ist, mit der sich selbst Fluchen anfühlt, als würde man sich den Arsch mit Seide abwischen, dann ist Latein die Sprache, die so gar den Worten eines Kleinkindes philosophische Tiefe verleiht. Doch nicht nur die lateinische Sprache trägt dem zugrundeliegenden Konzept über den Sündenfalls, also die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies, Rechnung. Bereits das Intro macht deutlich, dass hier mächtig auf die Kacke gehauen wird. „Oculus ex inferni” erinnert frappierend an Rhapsody (neuerdings: Of Fire). Ein Eindruck, dessen man sich auch in den folgenden 61 Minuten nicht immer erwehren kann, obgleich Symphony X weitaus weniger plakativ und theatralisch zu Werke gehen.

Zunächst ist es aber eine andere Band, die ebenso gerne epochale, biblische Themen aufgreift und sie mittels Latein an den Mann zu bringen versucht. „Set the world on fire“ könnte ohne Weiteres vom Virgin-Steele-Album „Invictus“ (1998) stammen, zumal die gesanglichen Parallelen zu David deFeis nicht von der Hand zu weisen sind. Neben diesem Lied begeistert vor Allem das finale „Revelation“ sowie der wunderschöne Titeltrack, der das Zeug zu einem Klassiker des Prog-Metals hat. Dies gilt leider nicht für das gesamte Album, denn obgleich sich Symphony X auf einem durchgehend hohen Niveau bewegen, scheinen zwischendurch die Ideen gefehlt zu haben. So überzeugen beispielsweise „Damnation“ und „Seven“ lediglich in punkto Schnelligkeit und Härtegrad.

Seit ich das Album in den Player gelegt habe, fuhr es mit mir Achterbahn. Von anfänglicher Ernüchterung bis zur 10-Punkte-Euphorie wurden fast alle Tief- und Höhepunkte musikalischer Gefühlsregungen berührt. Letztlich verlassen sich Symphony X für meinen Geschmack zu sehr darauf, dass sich der Hörer von der oberflächlichen Brachialität und epischen Wucht beeindrucken lässt. Mit Ausnahme der genannten Tracks wäre ein differenzierteres Songwriting wünschenswert gewesen, auch wenn das Album zu keiner Sekunde wirklich langweilt. Im Gegensatz zu Dream Theater fehlt Symphony X das letzte Quäntchen technische Virtuosität, sodass „Systematic chaos“ im direkten (wenn auch hinkenden) Vergleich das spannendere und vor allem abwechslungsreichere Album ist. „Paradise Lost“ wird den Erwartungen gerecht ohne sie zu übertreffen. Symphony X haben alle Register ihres Könnens gezogen, aber es gibt eben immer jemanden, der noch besser ist.

Anspieltipps:

  • Revelation
  • Paradise lost
  • Set the world on fire
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