Guns N´ Roses - G N´ R Lies - Cover
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Guns N´ Roses G N´ R Lies


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Was viele nicht wissen: Noch vor ihrem Debütalbum „Appetite For Destruction“ spielten Guns N’ Roses 1986 die Vier-Track-EP „Like A Suicide“ live ein. Nach dem berauschenden Erfolg des Debüt-Longplayers entschied sich dann Geffen Records zu einer Wiederveröffentlichung und packten noch vier 1988 eingespielte Akustiksongs mit auf die Scheibe, um eine halbwegs vernünftige Spielzeit zu erreichen. Und tatsächlich, das Ergebnis ist mehr als hörbar.

Wobei man bei den ersten vier Liedern das „hörbar“ ein wenig einklammern muss. Der Sound ist nämlich bei den Live-Aufnahmen mehr als bescheiden, man könnte ihn als besseres Bootleg einordnen. Trotzdem haben es die Songs in sich. Gleich „Reckless Life“ ist einfach purer Rock’n’Roll wie er sein sollte, schnell, hart und dreckig. Die beiden Coverversionen von Rose Tattoo („Nice Boys“) und Aerosmith („Mama Kin“) können natürlich nicht ganz mit den Originalen mithalten, bieten aber trotzdem beste Unterhaltung. Dazwischen steht noch „Move To The City“, dass von einem sehr guten Slash-Gitarrensolo veredelt wird und auch noch zu „Use Your Illusion“-Zeiten einen Platz in der Setlist hatte.

Das berühmte gepfiffene Intro von Sänger Axl Rose eröffnete die zweite, ruhige Albumhälfte. „Patience“ ist nicht umsonst heute noch ein Fan-Favorit, wobei der Songtitel beim Warten auf „Chinese Democracy“ zu so etwas wie einer Durchhalteparole geworden ist. Die schönen Melodien dürfen durch die akustische Instrumentierung so richtig glänzen, das Outro zeigt, dass auch die sanfte Seite von Guns N’ Roses zu hervorragenden Songs führte. So ist auch die abgespeckte Version des „Appetite For Destruction“-Tracks „You’re Crazy“ dem Original fast überlegen.

Nicht nur musikalisch, auch textlich wird auf „Lies“ so einiges verschossen. In der bluesigen Anti-Ballade „Used To Love Her“ singt Axl mit viel schwarzem Humor davon, wie er seine Freundin um die Ecke bringt. Klingt geschmacklos, ist es auch, in der Umsetzung aber gelungen. Sanft geht es in „One In A Million“ ebenfalls nicht zu. Unverblümt werden „Nigger“ und „Faggots“ beschimpft, woraufhin sich Guns N’ Roses Vorwürfen des Rassismus und der Homophobie erwehren mussten. Allerdings wird bei genauer Betrachtung des Textes ziemlich schnell klar, dass er von einem fiktiven Standpunkt aus erzählt wird und dieser Standpunkt nicht gutgeheißen wird. Auch sind solche Vorwürfe durch Slashs teilweise afroamerikanische Herkunft und spätere Auftritte Axls mit Elton John ziemlich unglaubwürdig geworden. Trotz oder gerade wegen solche kontroverser Nummern stellt „GN’R Lies“ ein weiteres überaus gelungenes Album im Katalog von Guns N’ Roses dar.

Anspieltipps:

  • Reckless Life
  • Patience
  • Used To Love Her
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