Sonata Arctica - Unia - Cover
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Sonata Arctica Unia


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 62 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Unia“ lässt sich am besten als Prog mit Power-Metal-Elementen beschreiben.

Im September 1999 mit „Ecliptica“ debütiert, mauserten sich die fünf Finnen schnell zur einer Institution in Sachen Melodic-Power-Metal. Das Nachfolgewerk „Silence“ aus dem Jahr 2001 ist bereits ein Genreklassiker. 2003 erschien das durchwachsene „Winterheart's guilt“, bevor die Band mit ihrem bisher letzten Studioalbum „Reckoning Night“ 2005 eine neue Marke setzte. Allerspätestens mit diesem Werk lösten sie sich endgültig aus dem Schatten von Statovarius, mit denen sie unsinnigerweise ständig verglichen wurden. Beide Gruppen haben außer dem Herkunftsland, dem Genre und der Art des Keyboardeinsatzes nichts gemein. Hinzu kommt, dass die Stratovaren den Sonaten nicht das Wasser reichen können, was damit zusammenhängt, dass sich letztere seit geraumer Zeit den üblichen Genrekonventionen entziehen, während erstere auf der Stelle treten und im Grunde seit mindestens drei Alben nichts mehr zu sagen haben.

Bereits „Reckoning Night“ zeigte die Band von einer verspielteren und opulenteren Seite. Man könnte auch den inzwischen überstrapazierten Begriff „progressiv“ verwenden. Mit den Sonata Arctica der Anfangsphase hat der aktuelle Stil jedenfalls nicht mehr viel zu tun. Unter anderem wurde der Kitschfaktor deutlich zurückgefahren, die Struktur der Kompositionen noch komplexer, die Geschwindigkeit weiter verringert und nicht zuletzt dank eines höheren Budgets der neuen Plattenfirma fröhlich herumexperimentiert. Eigentlich ist damit das Wesentliche über „Unia“ schon gesagt. Es handelt sich schlichtweg um die konsequente Fortsetzung des auf „Reckoning night“ eingeschlagenen Weges. Nur eben noch komplexer, verspielter und perfektionsorientierter, was selbstverständlich nicht bedeutet, dass die Finnen ihre Melodieverliebtheit aufgeben, welche sich vor Allem in den von Beginn an unnachahmlichen Gesangslinien Toni Kakkos wiederspiegelt. Jener hat die Herangehensweise an „Unia“ treffend beschrieben: man muss es sich erarbeiten, dann aber erschließt es sich als lohnenswertes Abenteuer. Natürlich sind Aussagen von Musikern über ein eigenes Album mit äußerster Vorsicht zu genießen, was aber nichts daran ändert, dass der Mann Recht hat.

„Unia“ braucht mehr Durchläufe als jedes andere Sonata-Arctica-Album. Aber nach und nach kristallisieren sich die Highlights heraus, wobei das erste Highlight – die in Finnland auf Platz 1 eingestiegene Single „Paid in full“ – nicht besonders lange zum Herauskristallisieren benötigt. Auch „It won’t fade“ erschließt sich recht schnell. Aber spätestens das grandiose „Caleb“ muss man sich mindestens dreimal anhören, um es zu erfassen. Insbesondere die Gesangsleistung von Mr. Kakko sticht hier hervor, der sein Organ auf „Unia“ ohnehin so variabel einsetzt wie nie zuvor. Vorher sollte man aber unbedingt noch das mit einem Gänsehautrefrain ausgestattete „Under your tree“ über sich ergehen lassen. Gänzlich abgefahren wird es mit „The vice“, bevor mit „My dream’s but a drop of a fuel for a nightmare“ einer der epischsten SA-Songs auf seinen Genuss wartet. Natürlich dürfen auch Balladen nicht fehlen. Davon gibt es auf dem Album gleich zwei, wobei es schwer fällt zu sagen, ob nun „The worlds forgotten, the words forbidden“ oder „Good enough is good enough“ die schönere ist.

Möglicherweise liegt es an der progressiven Vorbelastung des Rezensenten, dass über dieser Kritik eine so hohe Wertung steht. Unter reinen Power-Metal-Gesichtspunkten würde sich „Unia“ auch prima verreissen lassen. Viele alteingesessene Fans werden sich enttäuscht abwenden (können zudem von der Wertung getrost 3 Punkte abziehen), aber mindestens ebenso viele werden neu hinzukommen und die radikale Abkehr vom limitierten Power Metal früherer Tage begrüßen. „Unia“ lässt sich am besten als Prog mit Power-Metal-Elementen beschreiben. Und das ist auch verdammt gut so!

Anspieltipps:

  • The vice
  • Paid in full
  • It won't fade
  • Under your tree
  • Good enough is good enough
  • The worlds forgotten, the words forbidden
  • My dream's but a drop of fuel for a nightmare
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