Michael Brecker - Pilgrimage - Cover
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Michael Brecker Pilgrimage


  • Label: Emarcy/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 78 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Am 13. Januar diesen Jahres verlor die Jazzwelt einen ihrer einflussreichsten Köpfe. Mit nur 57 Jahren verstarb Tenorsaxophonist Michael Brecker an der Knochenmarkserkrankung MDS. Die Vollendung der Aufnahme seines Soloalbums „Pilgrimage“ war für ihn ein letzter Anker, der ihn am Leben hielt. Der Krankheitsverlauf wurde direkt nach deren Abschluss schlimmer. Genau diese Tatsache ist es, die das Album zu etwas besonderem werden lässt, etwas, dass über das rein akustisch wahrnehmbare hinauswächst. Man spürt in jeder Note das unglaubliche Herzblut, dass Brecker in seine Kompositionen einfließen lies. Oder wie Mitmusiker Herbie Hancock es während der Aufnahmesessions formulierte: „Trotz seiner Krankheit, oder vielleicht auch gerade wegen ihr, gelingt es Michael neue Gipfel zu erklimmen und nach vorne zu schreiten. Die beste Art, ein Gift zu nehmen ist, wenn man es in eine Medizin verwandelt“.

Der Einfluss Breckers zeigt sich auch an der unglaublichen Garde von Mitmusikern, die sich auf „Pilgrimage“ die Ehre geben. Neben Herbie Hancock bedient auch Brad Mehldau die Tasten, für die Gitarren zeigt sich der legendäre Pat Metheney verantwortlich, die Rhythmusgruppe besteht aus John Patitucci am Bass und Schlagzeuger Jack DeJohnette. Jeder der vier ist auf der Platte ganz bei der Sache, und das obwohl die Aufnahmen wegen des Zustands von Brecker immer wieder unterbrochen werden mussten.

Einem Track wie dem Opener „The Mean Time“ merkt man dies allerdings nicht an. Kraftvoll der Beginn, wird der gesamte Song durchzogen von den genialen Saxophonsoli Breckers. Auch Metheney bekommt einen Solopart eingeräumt, in dem er den Song mit seinen typischen Synthie-Klängen veredelt. „Five Months From Midnight“ ist etwas ruhiger, bei „Anagram“ geht es dann aber weiter wie im ersten Song. „Tumbleweed“, eine der besten Kompositionen auf „Pilgrimage“, zeichnet sich durch ein Thema aus, das einem einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Bewegend die Geschichte hinter dem nächsten Song. „When Can I Kiss You Again?“ war nämlich die Frage des kleinen Sohns von Brecker, die er ihm an einem besonders heftigen Krankheitstag am Krankenhausbett stellte. Auch dieses Lied ist wie alle folgenden ein würdiges Zeugnis des kreativen Geistes eines großen Mannes. Der Abschluss „Pilgrimage“ stellt dann das Glanzstück dar, besser kann Fusion-Jazz nicht gespielt werden. Michael, rest in Peace!

Anspieltipps:

  • The Mean Time
  • Tumbleweed
  • Pilgrimage

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