Traveling Wilburys - The Collection - Cover
Große Ansicht

Traveling Wilburys The Collection


  • Label: Rhino Records/WEA
  • Laufzeit: 120 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Musikalischer Geschichtsunterricht, wie er schöner nicht sein könnte: Mit „The Collection“ erscheinen die seit zehn Jahren offiziell vergriffenen Alben der Traveling Wilburys in neuer Form, nämlich hübsch aufgemacht als digital remastertes CD/DVD-Box-Set. Damit haben nun auch jüngere Musikinteressierte endlich die Chance, die allseits gefeierten Werke dieser Supergruppe, die sich diese Bezeichnung als eine der ganz wenigen auch künstlerisch verdient hat, zu einem moderaten Preis zu erstehen. Und den Fantasiepreisen für Traveling-Wilburys-Alben auf Börsen, Flohmärkten und Auktionen wird endgültig der Garaus gemacht.

Das Projekt Traveling Wilburys war keine geplante Sache, wie es bei den meisten Supergruppen der Fall ist. Die beteiligten Musiker fanden sich im Frühjahr des Jahres 1988 durch eine Verkettung von Zufällen im Aufnahmestudio (einer umgebauten Garage) von Bob Dylan zusammen, weil Ex-Beatle George Harrison zusammen mit Ex-ELO-Chef Jeff Lynne dort eine B-Seite für die Single „This is love“ aufnehmen wollte. Jeff Lynne brachte kurzerhand den von ihm als Produzent betreuten Roy Orbison mit in Dylans Studio, in das der Besitzer, der sich das Schauspiel natürlich nicht entgehen lassen wollte, wiederum den Heartbreakers-Kollegen Tom Petty eingeladen hatte.

Innerhalb weniger Stunden hatten die Haudegen den Song „Handle with care“ komplett geschrieben und aufgenommen. Begeistert von der Qualität ihrer gemeinsamen Arbeit wurden schnell Nägel mit Köpfen gemacht. Die Musiker holten sich die Erlaubnis ihrer Plattenfirmen und spielten in nicht mal zwei Wochen ein ganzes Album ein. „Volume 1“ (10/1988) kam im Herbst des gleichen Jahres auf den Markt und begeisterte die Kritiker und das Publikum gleichermaßen. Es gab weltweit hohe Platzierungen in den Charts und mehrere Singleauskopplungen.

Leider verstarb Roy Orbison wenige Wochen nach der Veröffentlichung von „Volume 1“. Dennoch trafen sich Jeff Lynne, Tom Petty, Bob Dylan und George Harrison für ein weiteres Album, das sie ihrem verstorbenen Bandmitglied widmeten. „Volume 3“ (kein Schreibfehler) erschien im Oktober 1990 und konnte den Erfolg des Debüts annährend wiederholen. Nachdem inzwischen auch George Harrison gestorben ist (29.11.01), stehen die Chancen auf ein Comeback der Traveling Wilbury natürlich schlecht. Aber wenigstens konnten mittlerweile die Rechte an den 21 Songs der beiden Studioalben geklärt werden, so dass jetzt eine Wiederveröffentlichung zusammen mit den noch unveröffentlichten Stücken „Like a ship“ und „Maxine“ sowie den None-Album-Tracks „Runaway“ und „Nobody’s child“ möglich geworden ist.

Feiern wir also das Wiederhören – bzw. für unsere Jüngeren die Premiere – einer vor Kreativität überschäumenden Gruppe von fünf Musikern, die ihre jeweiligen Stärken und Talente in die Wagschale geworfen haben und eine unwiderstehliche Mischung aus Pop, Folk, Rock, Blues und Country kreierten, der jeder einzelne Musiker seine unverwechselbare Handschrift aufdrücken konnte. Denn gerade weil in den Alben keine Songwritingcredits vermerkt waren, lässt sich auch heute noch wunderbar darüber fachsimpeln, ob z.B. „7 deadly sins“ vom zweiten Album evtl. ein Überbleibsel aus den frühen Sessions mit Roy Orbison ist oder wem die ursprünglichen Ideen zu Songs wie „You took my breath away“ (Tom Petty?), „Cool dry place“ (Bob Dylan?), „End of the line“ (Jeff Lynne?) oder „New blue moon“ (George Harrison?) zuzuschreiben sind. Gar nicht so einfach, zumal sich die Herren mit dem Gesang innerhalb der Songs grundsätzlich abwechseln. Spannender kann Musik kaum sein.

Anspieltipps:

  • She’s my baby
  • Cool dry place
  • End of the line
  • Congratulations
  • Handle with care
  • If you belonged to me
  • Tweeter and the monkey man
Neue Kritiken im Genre „Rock“
9/10

News Of The World (40th Anniversary Edition)
  • 2017    
8/10

Automatic For The People (25th Anniversary Edition)
  • 2017    
Diskutiere über „Traveling Wilburys“
comments powered by Disqus